11 Dinge, die du vom Motorradreisen lernst

Copy of Copy of Copy of Copy of Copy of Sie haben eine Lücke im Lebenslauf. (2)

Als ich anfing mit dem Motorrad zu verreisen, hätte ich nie gedacht welche Auswirkungen es haben könnte.

Ein neues Hobby? Sicher. Eine Menge Spaß, klar! Ein Upgrade der bisherigen Reisen? Ganz bestimmt sogar! Aber Motorradreisen – ein Lehrmeister? Es ist ein bisschen wie Mister Miyagi oder Master Yoda.

Motorradreisen hat die Chance dich als Menschen zu verändern. Ich biete dir folgende Wette an:

Fahre 10.000km mit deinem Motorrad in eine beliebige Richtung und Ich bin mir sicher dass, der Mensch, der abgefahren ist nicht mehr zurück kommen wird. Zurück kommen wird eine neue Version von dir. Du 2.0. 

Hier sind 10 Dinge, die das Motorradreisen lehrt

1 – Schrauben lernen

Mein Vater konnte nahezu alles reparieren. Zusammen mit meinem Onkel war er unschlagbar. Die beiden haben auch alles selbst gemacht. Autos repariert. Dächer gedeckt. Pools gebaut.

Dieser Kelch ist an mir vorbei gegangen. Leider. Und ich habe auch das Gefühl, dass es vielen in meiner Generation ähnlich geht. 

Wenn du mit dem Motorrad verreist, dann musst du dich früher oder später mit der Technik auseinander setzen. Selbst wenn alles glatt läuft, musst du dein Motorrad zumindest warten. Teheran wartet noch auf die erste BMW Vertragswerkstatt.

Fehler, die du einmal gemacht hast, brennen sich ein und du lernst daraus. Das nächste mal wenn mein Laderegler den Geist aufgibt werde ich mir bestimmt keine neue Batterie und auch keine neue Benzinpumpe andrehen lassen. 

Ritzel zu spät wechseln…passiert nur einmal

2 – Improvisieren

Es ist unglaublich was alles geht, wenn du den TÜV tausende Kilometer hinter dir gelassen hast

3 – Community

Wow! Die Community hinter dem Motorradfahren ist unglaublich. Vielleicht einzigartig. Von der Hausstrecke bis in die entlegendsten Ecken der Welt.

Wenn du wolltest, könntest du um die Welt reisen und zwar von Motorradclub zu Motorradclub. 

Aber wahrscheinlich wird es deine Leber nicht mitmachen.

4 – Besserer Verkehrsteilnehmer

Motorradreisen hat mich zu einem besseren Autofahrer gemacht.

Wenn du einen Panzer fährst ist es Wurst was um dich herum geschieht. Du gewinnst jeden Crash. Wenn du aber mit dem Motorrad reist, dann bist du über Wochen, Monate oder Jahre der schwächste Verkehrsteilnehmer weit und breit. Dein Überleben hängt davon ab, dass du auch die Fehler der anderen vorher siehst. Dafür muss man nicht nach Indonesien, Indien oder den Iran reisen – eine gute italienische Stadt ist schon ein sehr gutes Aufmerksamkeitstraining.

5 – Selbstvertrauen

Es scheint immer unmöglich, bis es geschafft ist.

Unzählige Male standen wir vor scheinbar unbewältigbaren Aufgaben.

An dem Tag bevor wir nach Russland eingereist sind, fragte ich mich wie wir jemals durch kommen sollten. Es waren tausende Kilometer. Oder durch Pakistan oder durch Indien.

Mit jeder Herausforderung, die gemeistert wird, steigt dein Selbstvertrauen.

Indonesien von Insel zu Insel? Warum nicht.

Verschiffen nach Australien? Klar!

Es übersetzt sich sogar in andere Bereiche des Lebens:

Ein Buch schreiben? Krieg ich bestimmt hin.

6 – Hinter die Kulissen schauen

Vor 6 Jahren habe ich „Monkey“ kennengelernt.

Das war sein selbstgewählter Spitzname. Monkey und sein Kumpel Ross hatten eine Regel:

Wenn immer sie an einen Ort reisten, setzten sie sich in irgendeinen Bus, fuhren bis an die Endhaltestelle, mussten sich etwas zu Essen organisieren und fuhren wieder zurück.

Ich liebe diese Idee!

So entgeht man dem Touri-Trubel und sieht was das Hinterland zu bieten hat. Dort wo niemand englisch spricht.

Wenn du mit dem Motorrad unterwegs bist, kannst du gar nicht anders als hinter die Kulissen schauen.  

7 – Reisen

Deutschland ist Reiseweltmeister. Meiner Meinung nach zählt das nicht.

Wer sich von zuhause zum Flughafen schleppt, sich in einen Flugzeugsitz quetscht, sich dann mit einem klimatisierten Taxi zu seinem Hotel fahren lässt und dann sein Kadaver zwei Wochen lang am Strand im eigenen Saft brät – der reist nicht.

Ich habe nichts gegen diese Art des Urlaubs machen. Ich habe es auch schon gemacht und werde es vielleicht mal wieder tun – aber es hat nichts mit reisen zu tun.

Es entwertet das schöne Wort “reisen”.

Für den Pauschaltourist ist das eigentliche Reisen eine Unannehmlichkeit, die in Kauf genommen wird.

Für den Reisenden ist das Ziel nur eine Entschuldigung reisen zu gehen. 

Reisende entdecken. Reisende lernen. Dafür gibt es keine Abkürzung, keine Reisefüher und keine Blogartikel.

8 – Minimalismus

Als ich unterwegs war fragte ich mich bei jeder Kaufentscheidung: Kann (und will) ich das auf dem Motorrad transportieren? 90% aller Kaufentscheidungen werden da schon abgebrochen. Wenn du einmal eine gewisse Zeit auf dem Motorrad gelebt hast, siehst du erst wie wenig du wirklich brauchst – eine heilende Erfahrung! 

9 – Die Welt ist ein schöner Ort

Wer seine Informationen aus den Nachrichten bezieht, der lernt in Schubladen zu denken. Iraner sind islamische Fundamentalisten und in Pakistan sprengen sie sich in die Luft. Bereist man die Länder, dann lernt man schnell, dass es pakistanische Freiheitsliebende gibt und iranische Tech-Unternehmer. Die Welt ist nicht schwarz weiß. Sie ist bunt. Sie ist wundervoll.

10 – Hilfe akzeptieren

Eines der verrücktesten Learnings war, wie hilfsbereit der durchschnittliche Mensch auf dem Planeten Erde ist.

Ich mache meine Sachen lieber selbst. Lasse mir ungern helfen. Will niemand auf die Nerven gehen oder zur Last fallen. Es ist mir furchtbar unangenehm. Umso länger du reist, desto wahrscheinlicher wird es, dass du auf Fremde Hilfe angewiesen bist. Mittlerweile glaube ich, dass man dem anderen oftmals gar einen Gefallen tut, wenn man sich helfen lässt. 

11 – Schätzen lernen was man hat

Wenn es nach mir gehen würde, dann würde ich jeden Mensch nach dem er mit der Schule fertig ist, irgendwo in der Welt aussetzen. So ein bisschen wie bei Bear Grylls nur ohne Würmer essen. Auf Reisen lernt man schnell zu schätzen wie gut es einem geht. Wer reist und etwas gesehen hat, der regt sich nicht über jeden Scheiss auf. Reisen härtet ab. Reisen setzt die täglichen kleinen Dramen ins Verhältnis zum großen Ganzen.

Fazit

„Stefan, die meisten dieser Dinge treffen doch nicht nur auf Motorradreisen zu!“

Stimmt, sie treffen auch auf Fahrradreisende oder Van-Reisende oder Tramper zu. Auf jeden der über den Landweg reist.

Spinnt man den Gedanken weiter, dann trifft es auf jeden zu, der mit offenen Augen durch die Welt geht.

Wenn du mit dem Motorrad unterwegs bist, dann bist du einfach gezwungen acht zu geben. Du musst aufmerksam durch die Welt gehen.

Was du dabei lernen wirst, ist unersetzlich.

Was hast du auf Reisen gelernt? 

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  1. becsei

    Hey Stefan
    Ich glaube der Satz „Mittlerweile glaube ich, dass man dem anderen oftmals gar einen Gefallen tut, wenn man sich helfen lässt.“ soll heißen „Mittlerweile glaube ich, dass man dem anderen oftmals gar einen Gefallen tut, wenn man sich NICHT helfen lässt.“
    Habe ich das richtig verstanden?
    VG

    • Stefan

      Hi!

      ne, ne ich meine das schon so.

      Menschen helfen gerne. Wenn du dir helfen lässt, dann machen sie es nicht nur gerne, sondern sie fühlen sich auch gut dabei.
      Auch mir geht es so. Ich helfe gerne. Ich freue mich wenn ich helfen kann. Deswegen habe ich überhaupt diesen Blog :)

      Grüße
      Stefan

      • becsei

        „Dem anderen keinen Gefallen tun wenn man sich helfen lässt“ bedeutet für mich „sie freuen sich nicht, wenn man sich helfen lässt“.

        Aber ich meinte auch so wie Du es geschrieben hast, dass die Menschen sehr gerne helfen und sich sehr freuen, wenn Du einfach nur Dankbarkeit zeigst. Das macht sie froh und stolz.
        Und das kennen wir von uns selbst (zumindest geht es mir auch so…).

  2. becsei

    Am meisten hat mich der Teil „Die Welt ist nicht schwarz weiß. Sie ist bunt. Sie ist wundervoll.“ angesprochen.
    Ja, man kann theoretisch auf diese verrückten Fundamentalistern treffen – dafür muss man aber nicht reisen.
    Um ein vielfaches Wahrscheinlicher ist, dass man freundliche, offene, gastfreundliche und hilfsbereite Menschen trifft.
    Aber auch hier gilt „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt er heraus“. Es ist also ausschlaggebend wie man den Menschen begegnet. Gerade die „Nichtdeutschen“ sind oft viel emphatischer und spüren es Dir ab, ob Du ohne Vorbehalte auf sie zugehst.
    Vielen Danke für Deine Gedanken!


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