6 Länder + 3 Jungs = Abenteuerreise Osteuropa!

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Der folgende Beitrag ist ein Gastartikel von Tim. Tim hat uns die ersten Wochen nicht nur begleitet, sondern auch bereichert! Im Folgenden schildert er seine Erlebnisse. Lets go!

Was hatte ich mir dabei gedacht, als ich den beiden Jungs zu einer Reise durch Osteuropa zusagte?

Ehrlich gesagt sehr wenig, denn es war meine erste längere Ausfahrt auf zwei Rädern und somit hatte ich noch keine Erfahrung in solchen Reisen sammeln können. Als ich von Stefan hörte, dass es auf Motorrad Weltreise gehen soll, war ich von dieser Idee begeistert und zugleich überrascht, dass er diese Idee so ernst nahm.
Doch er erlangte nicht nur mit dieser Idee meine Aufmerksamkeit.

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Stefan war ein Klassenkamerad und er begleitete mich die Zeit im Gymnasium und auch durch die ein oder andere langweilige Schulstunde. Nach dem Abitur liefen die Wege wie so häufig in unterschiedliche Richtungen. Nachdem wir uns über einen längeren Zeitraum nur sporadisch gesehen hatten, erzählte er mir, dass er auf einer langen Reise in Südamerika war und dort das Schöne am Reisen mit etwas Sinnvollem verbunden hat. Er berichtete von Freiwilligenarbeit, den Erfahrungen, die er dabei sammelte und neue Freundschaften, die er dabei schloss. Ich erkannte auf den ersten Blick sofort, dass sich in seiner persönlichen Einstellung und seiner Weltanschauung etwas verändert haben musste. Ab diesem Moment wusste ich, dass Stefan mich noch öfters in meinem Leben überraschen würde. Genau dies passierte, als er mir von seinen neuen Reiseplänen erzählte.

Fou lernte ich erst so richtig wenige Woche vor Abfahrt kennen. Er machte mir einen sehr sympathischen Eindruck und war als guter Teamplayer vor allem bei der Planung der Reise und der Unterstützung von Unternehmen eine gute Ergänzung.

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Also stürzte ich mich mit zwei Weltreisenden, die noch so viel weiter fahren wollten, in zwei erlebnisreiche Wochen durch Osteuropa. Ehrlich gesagt, wäre ich wohl am liebsten mit auf die lange Reise gegangen und ich hätte danach vor lauter spannender Erlebnisse ein ganzes Buch damit füllen können. Doch mir gab mein Bauchgefühl die Stärke zu sagen, dass die Zeit für solch eine Reise noch nicht gekommen ist.

Auf geht’s

Die Stecknadeln auf der Karte waren im Groben gesetzt. Keines der Länder, mit Ausnahme Österreichs, hatte ich zuvor bereist. Es war somit aufregend, als wir vorbei an Windrädern endlich über die slowakische Grenze nach Bratislava fuhren, weil es ab diesem Moment hieß, Neues zu entdecken.

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In der Slowakei durchquerten wir langgezogene, malerische Täler, eingerahmt in sanfte, grüne, meist bewaldete Hügel. Prunkvolle Burgen reihten sich entlang unserer Fahrt an den selten vorkommenden steilen und prominenten Felsvorsprüngen. Unter diesen befand sich häufig eine kleine Stadt mit zum Teil prominentem Kirchturm, welche bei Dämmerung erleuchtet und mit der Burg im Hintergrund ein eindrucksvolles Bild ergaben. Der Osten bot nur wenig Zivilisation, die sich meistens nur noch durch kleine Siedlungen entlang der Hauptstraße zeigte. Dafür gab es um so mehr Wälder. Eindrucksvoll bestaunten wir alle nach dem Grenzübergang nach Polen eine tolle Bergkulisse mit schneebedeckten Gipfeln der hohen Tatra.

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Krakau beeindruckte als geschichtsreiche Hansestadt, inklusive Couchsurfing direkt neben dem Ofen eines Pizzalieferservices und eines netten „local“, welcher uns einen Stellplatz in seiner Garage anbot und uns auf eine Stadtrundfahrt auf zwei Rädern mitnahm. Er erzählte uns zudem von seinen Zweiradreisen, die ihn schon auf fast jeden Kontinent gebracht hatten.

Das „junge Warschau“ lernten wir bei Nacht in einer der zahlreichen Wodka-Bars und Bierkneipen kennen, die wir durch unsere nette lokale Stadtführerin und Couchsurferin förmlich auf einer Liste abgearbeitet haben. Ein paar Tage Erholung gönnten wir uns nach kräftigem Seitenwind, immer wieder Regenschauern und kalten Armen und Füßen im Osten Polens bei einer herzlichen polnischen ehemals nach Australien ausgewanderten Hausbesitzerin. Der riesige Nationalpark Bialowieza wartete nur wenige Meter davon weg.

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Die wichtigste Währung

Die letzten Zlotys wechselten wir kurz vor der litauischen Grenze in die wichtigste Währung: Snickers! Meist nachmittags verhalf uns dieser Zuckerschock das Tief der Gefühle aus Müdigkeit, Kälte, Nässe und die unbequeme Sitzbank zu überwinden und nochmals für eine gewisse Zeit weiter fahren zu können.
Mit einem kurzem Zwischenstopp in der litauischen Transitstadt Kaunas ging es dann zur lettischen Kulturhauptstadt Riga, um endlich das Meer zu sehen, hören und zu riechen.
Auf dem Weg weiter gen Norden wurde es immer idyllischer und es gab mehr und mehr Möglichkeiten einen Stopp an einem der verlassenen Strände zu machen.
Als wir das Ortsschild unseres Tageszieles namens Pernau sahen, änderte sich dieses Idyll schlagartig. Wie aus dem Nichts sahen wir eine große Menschenmenge aus schwarz gekleideten Bikern mit laut tönenden Motorrädern und wurden zielsicher mit unseren Motorrädern in die Startaufstellung für die Eröffnungsfahrt zu einem der größten Harley-Davidson-Treffen Estlands gelotst. Skurrile Custom-Bikes teilten sich den Auftritt mit einigen Motorradgespannen. Ganz zu schweigen von den unzähligen anderen Fabrikaten, die für dieses Event aufliefen. Unter anderem eine „chinesische Ape“ mit unzählbar vielen Lichtern an der ganzen Karosserie. Man gehörte trotz der anderen Nationalität und ohne Lederjacke trotzdem zur großen Familie der Biker dazu.

Den letzten Tag unserer gemeinsamen Reise verbrachten wir nochmals auf einer abseits gelegenen Küstenstraße. In Hapsal war es dann soweit: nach einem entspannten Mittagessen in einem im Jugendstil gebauten Kurhaus trennten sich unsere Wege. Ein komisches Gefühl durchdrang mich, als ich den beiden Weltreisenden an der Kreuzung einfach nochmals zuwinkte und an ihnen vorbei fuhr.

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Ab jetzt hieß es: Alles auf Null! Meine Expedition in das Weite und Unbekannte des östlichen Kontinents war nun zu Ende und es war nun an der Zeit alleine die lange Rückreise anzutreten. Ohne Kolonne fahren, ohne im Rückspiegel ein anderes Motorrad zu sehen und ohne die Erlebnisse mit anderen zu teilen. Für die ersten Kilometer zu meiner nächsten Unterkunft begrüßte mich sogar die Sonne zwischen den Wolken und für einen kurzen Moment schwelgte ich im Glück und freute mich auf eine friedliche, ruhige Rückfahrt. Bis der erste dicke Regentropfen auf meinem Visier zerschellte und das kalte, windige Wetter durch meine Jacke zu spüren war. Doch auch dieser Teil meiner Reise verlief ohne Probleme. Und nach einer Fährfahrt, einigen hundert Kilometern auf deutschen Autobahnen erreichte ich wieder die Heimat.

Die gut zwei Wochen mit Fou, dem Vorreiter, und Stefan, dem Träumer, waren eine außergewöhnliche und spannende Reisezeit. Ich kann verstehen, dass so etwas süchtig macht! Ich hoffe, sie werden noch viele tolle Momente auf ihrer langen Reise erleben, neue Freundschaften schließen und niemals den Fokus für die Straße verlieren, wenn die Route sie über Gebirgspässe führt oder sie im Stehen über Schotterpisten fahren müssen und dabei die eindrucksvollsten Landschaften passieren.

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Viel Erfolg bei eurer Mission, ein gutes Bauchgefühl und manchmal ein Quäntchen Glück!
Ganz nach eurem Motto: „How far can you go?!“, sage ich: „Just keep on riding!“
Mit den besten Biker-Grüßen

Tim

 

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