Gute Freunde finden, wo Du keine erwartest!

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Gnade den Gestrandeten!

Wie Du sicher noch aus dem letzten Reisebericht weißt, haben uns die Straßenverhältnisse gezwungen nach Karaganda umzukehren. Phil und Dee haben sich natürlich für eine weitere Nacht erbarmt und uns aufgenommen. Allerdings nicht ganz bedingungslos, wir mussten versprechen, wieder mit ihnen um die Häuser zu ziehen. Selbstlos wie wir sind haben wir den beiden diesen Wunsch selbstverständlich erfüllt. :-)

MONEY, MONEY, MONEY!!!

Die Route für die kommenden Tage stand fest, es gab nur noch die eine Wahl. Zwischen uns und Almaty liegen 997 km und der Balkhash Lake, ein Süß- und Salzwasser See zugleich. Scheinbar ist anhand der Wasserfärbung genau zu erkennen, wo die Strömung verläuft, die beide Teile davon abhält sich miteinander zu vermischen.
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Nach 450 km haben wir genug von der Steppe und vom Geradeausfahren, Zeit für das Nachtlager. Steppe bedeutet leider gleichzeitig, dass Du dich nicht so einfach unsichtbar machen kannst und dein Zelt noch mehrere Hundert Meter von der Hauptstraße aus zu sehen ist. Trotzdem versuchen wir unser Glück und fahren von der Hauptstraße ab. Ein kleiner Schotterweg reicht bis kurz vor den See und macht dann eine unerwartete Biegung, WOW, wo sind wir denn hier gelandet?! Vor uns entblößt sich ein traumhafter Strand mit dazugehörigem Hotel. Es war zwar nicht unsere Absicht, aber warum nicht? Wir gehen also in das unverschlossene Hauptgebäude hinein, nur sehen wir weit und breit keine Menschenseele. Keine Angestellten, keine Touris! Jetzt haben wir wohl doch die Aufmerksamkeit von ein paar Bauarbeitern erregt, ein kleiner stämmiger Mann kommt interessiert auf uns zu und stellt uns ein Haufen Fragen, von denen wir nicht eine einzige verstehen. Er kommt auf die glorreiche Idee und ruft seine Tochter an, die via Handy als Übersetzerin einspringt. Am Ende stehen wir mit einer akzeptablen Bleibe, an einem umwerfendschönen Strandabschnitt da und das für verhältnismäßig wenig Geld, das denken wir zumindest! Nach einem angenehmen Bad im See und einem schönen Abend wollen wir am nächsten Morgen gut gestärkt die Weiterreise antreten. Weit gefehlt! Der gute Mann von gestern ist wie vom Erdboden verschluckt und der Besitzer der angrenzenden Bar tobt regelrecht, weil der das Geld für das Frühstück haben möchte, welches uns als im Übernachtungspreis enthalten versprochen worden ist. „Money! Money! Money!“ ruft er immer lauter und bestimmter. Als wir uns weigern droht er mit Security, aber das ist uns sogar ganz Recht. Als letztes Mittel schnappt er sich ein Vorhängeschloss und befestigt es an den Speichen, damit wir nicht wegfahren können. Zudem schnappt er sich einen von unseren Helmen als Souvenir uns spaziert davon. Nun, Schachmatt! Wir müssen wohl oder übel in den sauren Apfel beißen und das total überteuerte Frühstück bezahlen, damit wir unsere Reise fortsetzten können. Welcome in Kasachstan!

Almaty oder die Geschichte von Nissa, Roman, Alexey und Pavel!

Zunächst hat Nissa unsere Couchsurfinganfrage abgelehnt, da sie ihre Couch bereits einem polnischen Pärchen versprochen hatte. Dann haben wir wohl doch ihr Interesse geweckt und sie hat ihrem besten Freund, Roman, ebenfalls ein leidenschaftlicher Biker, von uns erzählt. Da der leider keinen Platz hatte, um uns bei sich aufzunehmen hat er wiederum einen Freund, Alexey, angerufen und ihn nach einer Bleibe für uns und unsere Bikes gefragt. Alexey hatte genug Platz für uns, aber damit unsere Bikes auch noch sicher untergebracht sind, hat er seinen besten Kumpel, Pavel, angerufen, der bereits eine Garage voller Bikes hat und ihn gefragt, ob noch Platz für unsere beiden Schmuckstücke ist.
Puhhhhhhhhhhhhhh ist das kompliziert! Aber unglaublich zuvorkommend! Jedoch kannten wir die ganzen Einzelheiten nicht, sondern wussten über Nissas Nachrichten nur, dass sie uns nicht aufnehmen kann, aber ein Freund was bei einem Freund arrangiert hat, bei dessen Freund wir wiederum unsere Bikes unterstellen können.
Etwas suspekt das Ganze?! Trotzdem haben wir uns für diese Konstellation entschieden und wir hätten es nicht besser erwischen können!!! Nachdem uns Roman mit seiner Chopper vor einer riesigen Mall abgeholt hat, haben wir Nissa unterwegs aufgegabelt und durften uns bei ihr frisch machen. Dann hieß es Taschen in unserer Bleibe ablegen und Bikes in der Garage verstauen, immerhin hatten wir eine lange Anfahrt nach Almaty. Vielleicht hieß es aber auch, Taschen ablegen, zur Garage fahren um dann mit einem Pulk von 5 Motorrädern quer durch Almaty zu düsen um die Serpentinen der angrenzenden Berge zu erkunden, um danach zur Garage zu fahren, um unsere Bikes abzustellen. Oder aber nach der schönen Aussicht zur Garage zu fahren, um dann dort auf 5 abenteuerlich zusammengeflickte Vespas umzusatteln, um dann beim nächstgrößeren Supermarkt Grillhähnchen, Salat und Bier für alle zu kaufen. Wie kräftezehrend es auch war, wir hatten einen fantastischen Empfang in Almaty und durften mit unglaublichen Menschen eine/n unvergesslichen Mittag/ Nachmittag/ Abend/ Nacht verbringen.

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Ausflug! Ausflug! Ausflug!

Die nächsten Tage ging es natürlich im selben Tempo weiter. Ausflug in die Berge. Ausflug zum See. Ausflug auf ein Hochhausdach. Ausflug zu einem Konzert. Ausflug in die Stadt. Ausflug ins Theater. Ausflug zu einem Aussichtspunkt. Nissa und ihre Freunde waren unermüdlich, zu unserem Glück! Noch nie hat sich jemand so viel Zeit genommen und uns so betüdelt wie Nissa und Roman. Am Ende meinten sie noch, hey wir wollen am Wochenende auch nach Kirgistan um auf ein Rockkonzert zu gehen, warum fahren wir also nicht zusammen?!

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