Amritsar Fieber

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Es war extrem aufregend! Indien lag vor uns, der riesige Subkontinent mit seinen 1.210.569.573 Menschen polarisiert wie wohl kein zweites Reiseland: die einen finden es laut und dreckig, die anderen laut und dreckig aber auch bunt und abwechslungsreich. Der Start verläuft anders als erwartet.

Der Grenzübergang und die Grenzformalitäten sind eigentlich harmlos, aber irgendwo zwischen Mangoplantage und Gewächshausunterkunft habe ich mir fies den Magen verdorben. Als ich an der Grenze auf den Bänken liege und versuche mein Inneres nicht nach außen zu kehren, muss Fou sich mit den Zöllnern rumschlagen und erledigt heldenhaft den Papierkram für uns beide („He, du musst hier unterschreiben!“).

In weiser Voraussicht haben wir schon aus dem Iran unsere wahrscheinlich luxuriöseste Unterkunft dieser Reise gebucht. Wir erwarteten, dass die Tage in Pakistan hart werden und das sind sie auch geworden. Deswegen freuen wir uns auf unser 4* Zimmer im Golden Tulip. Klimaanlage, Zimmerservice, Tropendusche, und ein richtiges Klo. Genau das was man nach den vielen Kilometern und für einen verdorbenen Magen braucht.

Ein weiterer Grund für die feine Adresse ist, dass wir eine Lieferung erwarten und dafür eine richtige Anschrift brauchen. Neben einer neuen Kettte für Fou warten wir vor allem auf unsere neuen Reifen. Unsere alten haben uns treu gedient, aber nach 16.000 Kilometern haben sie doch sehr gelitten und sich den Ruhestand verdient. Zu unserer Freude ist die Kette schon da. Die Reifen hingegen hängen im Zoll und mit dieser Nachricht nahm das Drama seinen Lauf.

Sitting, waiting, wishing

Amritsar bietet genau das, was wir befürchtet haben. Lärm und Dreck. Jedesmal wenn wir das Hotel verlassen werden die Nerven auf das schlimmste strapaziert. Hupen, Verkehr, Lebensgefahr. Die Stadt quillt über vor Müll und Menschen und Kühen, die im Müll „grasen“. Es macht wirklich keinen Spaß. Gepaart mit dem Reifen- und Magenproblemen sorgt diese Situation für den ersten richtigen Tiefpunkt auf der Reise.

Geschlagene 2 Wochen werden wir in Amritsar verbringen, an diesem Ort der gut für 2 Tage ist um sich den Goldenen Tempel und die Grenzparade anzuschauen. Andere Leute nehmen sich 2 Wochen für ihren Jahresurlaub und wir verbringen sie hier. Das ist auch deswegen verherrend weil das Himalaya ruft: es ist nur 2 Tagesetappen entfernt! Das schlimme ist, das sich die Saison dem Ende neigt und jeder Tag warten ein Tag weniger in den Bergen bedeutet.

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Die dadurch entstehende Lethargie bekommt ihren eigen Namen: „Armritsar-Fieber“. Ständige Müdigkeit, Antriebslosigkeit, und Kopfschmerzen sind die Symptome. Das Gegenmittel hat nur der indische Zoll in Delhi und der scheint uns nicht wohl gesonnen.

Nach einer Woche warten entscheiden wir uns für einen Wochenendausflug nach Dharamsala. Dharamsala ist die Heimat des Dalai Lamas seit er im Exil leben muss und liegt am Fuße des Himalayas.

Flucht zum Dalai Lama

Die Fahrt dorthin war wie jede Fahrt in Indien, LEBENSGEFÄHRLICH. Man könnte meinen der Iran und Pakistan härten ab – weit gefehlt! Ausscheren auf die Gegenfahrbahn vor uneinsehbaren Kurven ist völlig normal. Ein Hupen wird den Unfall schon verhindern. Ob hinter der Kurve ein anderes Auto, eine Kuh oder ein armer Motorradfahrer wartet ist ungewiss. Als während dieser Etappe schließlich beide Motorräder am Boden liegen (Fou, geschnitten von einem Rollerfahrer, Stefan umgeworfen von einer Dampfwalze) entscheiden wir uns dafür in Indien so wenig Motorrad zu fahren wie es nur geht.

Dharamsala ist wirklich schön, aber wir sind nach den 250km auch völlig gerädert.

Dennoch genießen wir die relative Ruhe zu Amritsar, gehen ein wenig wandern und Schutz suchen als der Monsun sich entscheidet doch noch einmal zurückzukehren. Wir treffen andere Reisende, das haben wir das letzte Mal in Isfahan getan – vor über 3000km. Wir entscheiden uns die nächsten Tage hier zu verbringen, denn den Zoll können wir hier genauso wenig beeinflussen wie in Amritsar und Internet und Telefon haben wir auch. Außerdem ist es günstiger und der Dalai Lama residiert um die Ecke. Das bringt bestimmt Glück.

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Zollbestimmungen

Allerdings will der Zoll es anders. Gerade als wir es uns gemütlich gemacht haben, werden wir nach Delhi gerufen um unsere Angelegenheiten persönlich zu klären. Auf dem Weg zurück nach Amritsar heißt es dann, wir sollen doch nicht kommen. April April. Also weiter Amritsar-Fieber.

Eine weitere Woche vergeht und dank der unermüdlichen Hilfe vom Logistiker unserer Herzen dem Flinken Fink, unseren Partnern von Tirendo, und dutzenden Emails,  erscheint tatsächlich aus dem Nichts ein Mann mit orangener Uniform und Paketen mit wunderschönen neuen Reifen.

Am nächsten Tag sind die Reifen montiert und wir brechen auf nach Jammu. Das größte Abenteuer dieser Reise wartet: Das Himalaya!




  1. Antje & Ulf Häßler

    Hallo ihr beiden,

    Weiter so. Niemals aufgeben, auch wenn es mal schlechte Zeiten gibt. Das schöne daran – es kommen auch wieder gute Zeiten. Wir verfolgen Eure Berichte und möchten das auch weiterhin tun.

    Weiterhin viel Spaß bei dem größten Abenteurer eures Lebens.

    Liebe Grüsse
    Ulf & Antje Häßler

  2. Reni

    Hallo, ihr 2

    hoffentlich trägt der Himalaja dazu bei, daß es euch wieder ganz gut geht!!!!!!
    Stefans Karte – Danke, die Freude war groß – deutet wenigstens so was an…..
    Macht es weiter ganz gut!!!!!!!

    Liebe Grüße Reni und die ganze Großfamilie


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