Bali: Affen, Dämonen und Kängurus

T H E  L O W – D O W N

Götterinsel und Mallorca für Australier. Paradies – mit ständigem Verkehrsinfarkt. Bali ist extrem. Extrem schön und extrem anstrengend.

Ich bin mit gemischten Gefühlen nach Bali gekommen. Es war so ein bisschen wie einen Film zu sehen, über den du schon viel gelesen hast und weißt dass er Dir wahrscheinlich nicht gefallen wird.

Also habe ich ganz schnell meinen Weg nach Ubud gesucht. Ubud steht kurz gesagt für Kultur, gutes Essen, Yoga und Reisterrassen.

Geil, Nyiepi!

Glücklicherweise war genau als ich ankam Nyiepi, das balinesische Neujahr. Nyiepi ist der wichtigste Feiertag in Bali und geht ab wie Louis van Gaal auf einer Meisterfeier!

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In monatelanger Arbeit wurden riesige Figuren gebastelt, die Dämonen darstellen sollen. Einen Tag vor Nyiepi versammelt sich das ganze Dorf bzw. die ganze Stadt und bewundert die „DIY“ Dämonen. Anschließend werden die Figuren auf die Hauptstraße gebracht (die benutzen die richtigen Dämonen natürlich auch) um dort eine Art Exorzismusritual durchzuführen und die Dämonen auszutreiben. Das knallt richtig und sieht so aus:

Traditionell werden die Dämonen-Figuren nach dem Exorzismus verbrannt. Das geht in Ubud nicht mehr weil die Figuren über die Jahre riesige Dimensionen angenommen haben. Sie sind zu groß zum verbrennen – ein bisschen wie unsere Banken.

Am nächsten Tag ist der eigentliche Nyiepi-Tag. Er beginnt um 6Uhr früh, dauert 24h und verwandelt ganz Bali in ein Meer aus Stille.

Es darf weder gearbeitet, noch gereist werden, die Straßen sind verwaist, es darf keine Festivitäten oder Musik geben, statt dessen muss absolute Ruhe gehalten werden. Nicht einmal Licht ist erlaubt.

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Der gläubige Balinese verbringt den Tag mit Meditiation, alle anderen im Internet.

So still soll es übrigens sein, damit die vertriebenen Dämonen bei ihrer Rückkehr denken niemand ist da und weiterziehen. Niedlich oder?

Von den Touris wird übrigens auch erwartet sich an den Nyiepi zu halten. So sind alle in ihr Hotel bzw. ihr Hostel eingesperrt.

Luxus in Ubud

Ein paar Tage später hab ich eine Freundin getroffen und wir waren in einem besseren Hotel außerhalb von Ubud. Dort war es klasse! Tropische Blumen, Pool, überragendes Frühstück, toller Service und viel zu teuer! Ich habe mir einfach eingeredet: Verdammt, du brauchst das auch mal! 

Pajar House in Ubud - läuft.

Pajar House in Ubud – läuft.

Nach knapp einer Woche Luxus musste ich schließlich das Land verlassen. Mein Visum ist abgelaufen und ich durfte es nicht mehr verlängern.

Australien – ein Intermezzo

Meine ersten Kängurus <3

Meine ersten Kängurus <3

Kurz nach Australien fliegen kann man wohl nur von Indonesien aus. Für weniger als 100€ kannst Du ein Flugzeug nach Perth boarden. Ich ging nicht nur wegen meines abgelaufenen Visum nach Australien; ich wollte reich werden! Ich fühlte mich wie ein Goldsucher und hatte genaue Vorstellungen wie ich meinen neuen Reichtum verdienen würde:

Als erstes gehe ich in ein Hostel und werde dort Jobs in Hülle und Fülle finden, entscheide mich schließlich aber in einer teuren Bar zu arbeiten. Dort serviere ich Champagner, flirte mit alten gut betuchten Damen und bekomme soviel Trinkgeld um mir ganz Ubud zu kaufen.

So ist es nicht gelaufen.

Einen Job finden ist schwieriger als gedacht. Ich schlug schließlich in Margaret River auf. Margaret River ist berühmt für seinen Wein – rate mal wer die Trauben pflückt? Richtig, Backpacker. Dieser Job hatte soviel mit Champagner und reichen Ladys zu tun wie Angela Merkel mit Bushido.

Nun ja, dennoch konnte ich wenigstens ein paar Tage arbeiten, aber durch die Flugkosten und teuren Unterkünfte konnte ich kaum Geld dazu verdienen. Blöd gelaufen.

Australien und seine Folgen

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Besonders blöd war noch etwas anderes: Ich habe den Asienkoller. Versteh mich nicht falsch; ich liebe Asien! Besonders Süd-Ost Asien, das Essen, die Menschen, Vulkane und das einfache Leben. Aber es hat eben auch seine Schattenseiten: Müll, Verkehr, Überbevölkerung und Du bist eine laufende Sehenswürdigkeit. Am Anfang ist es witzig hunderte Fotos von Dir schießen zu lassen. Irgendwann nervt es einfach nur noch.

Und genauso wie Du Dir nicht ständig die selbe Playlist anhören kannst, bin auch ich reif für einen Wechsel.

Margaret River ist nicht nur berühmt für Wein, sondern auch für das Surfen. Und gesurft wird an einer der schönsten Küsten, die ich je gesehen habe.

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Aber als in Margaret River den leeren (!) Strand hoch und runter gelaufen bin und das unverschmutzte (!!!) Meer gesehen habe, und nicht von jedem zweiten angesprochen worden bin mir „Mister, where you go?“, „Mister, where you from“, „Mister, photo!“ habe ich es realisiert: ich brauche Abstand von Asien.

Statt den Abstand zu suchen, bin ich natürlich gleich wieder zurück nach Bali.

Bali – Runde 2

Mein Asienkoller wurde während der zweiten Runde aufgelockert, weil ich meine neue Gang kennengelernt habe. Ich bin in einem Hostel abgestiegen und in Bali gibt es soviele Backpacker wie Kühe auf indischen Straßen. Ich hatte außerdem Glück, dass viele der Backpacker in meinem Alter waren.

Mit 29 gehöre ich normalerweise in Hostels zum alten Eisen. Mädchen würden sagen: „der ist ja nett, aber soooo alt!“

Nun ja auf jeden Fall war ich mit meiner neuen Gang dann noch ein paar Tage in Ubud, haben in diesen mega geilen Restaurants gespeist und sind in den Monkey Forest gegangen. Eine der großen Touristen Fallen überhaupt. Mit den richtigen Leuten kann man auch Spass haben wenn die Hölle zufriert.

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Im Süden von Bali, wo die Party stattfindet war ich nur kurz und auch nur tagsüber, davon kann ich dir also nichts berichten. Fou verrät Dir, wo du Paris Hilton treffen kannst.

Allerdings habe ich noch einen Geheimtipp für Dich:

Geheim-Spezial-Ninja-Tipp

Der Osten! Im Osten lässt sich anscheinend gut tauchen (sagen andere), echt gut Motorrad fahren (sage ich) und es ist tatsächlich nicht so überlaufen.

Genauer gesagt war ich in Amed. Also wenn du nach Bali gehst schau dort vorbei. Der Strand ist allerdings (wie oft in Bali) eine Enttäuschung. Abgesehen davon lässt es sich Amed sehr gut aushalten.

Allerdings bin ich nur eine Nacht geblieben um dem Ruf meiner Gang zufolgen: „Auf nach Lombok!“ haben sie geschrien.

Fazit:

Geschmäcker sind verschieden; ich kann mir Game of Thrones stundenlang anschauen, mit dem Dschungelcamp kannst Du mich verjagen. Mit anderen Worten, nur weil es mir nicht gefällt, heißt es nicht dass es Dir genau so ergehen muss.

Wenn Du überland gereist bist wirst Du die Vielfalt an Essen lieben. Endlich mehr als Nasi Goreng! Außerdem gibt es viele Cafés mit gutem Kaffee.

Aber Bali liegt in Süd Ost Asien und ist völlig überlaufen (nicht nur von Touris) und laut. Es gibt schöne Hotels und einige schöne Dinge anzusehen. Der Weg vom Hotel zu den Tempeln, Reisterrassen, oder Vulkanen ist nicht so geil.

Vielleicht war Ubud vor 5 Jahren einer der coolsten Orte auf der Welt, das Potential ist da, aber der Verkehr killt einfach jeden aufkommenden Charme.

Hattest Du schonmal zu viel von einem Ort? Oder kennst du den Asienkoller?

Bestes Mittel um Dämonen aus deinem Email Postfach zu vertreiben? Richtig, unsere Neuigkeiten!