Welcome to Balutschistan!

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In Shiraz wird uns eines ganz besonders bewusst, die schönen Zeiten und das süße Leben sind bald vorbei!

Bereits in Usbekistan hat uns Roberto vor den Kerkern der Taliban in Balutschistan gewarnt. Tippst Du Quetta in die Google-News Seite ein erscheinen nur Artikel über Bombenanschläge, Schusswechsel und Entführungen, ebenso auf der Webseite des Auswärtigen Amtes. Der kurze Traum, Pakistan zu umschiffen und einen Zwischenstopp in Dubai zu machen ist auf Grund der viel zu hohen Kosten zerplatzt. Es hilft nichts, für müssen durch Pakistan durch!

Viel Sehenswertes liegt nicht mehr auf unserer Fahrt gen Osten. Wir machen eine Nacht Halt in Sirjan, zu unserer Verblüffung haben wir gleich 2 Hosts (Hamed und Mohammad), einen bei dem wir übernachten und einen, der uns die Stadt zeigt. Der Iran macht es uns wirklich schwer weiterzuziehen! Am nächsten Morgen lassen wir Kerman links liegen und machen uns direkt auf den Weg nach Bam, der Schāhzādeh-Garten in Mahan muss aber dann doch noch sein, er ist einfach zu schön um ihm keine Beachtung zu schenken. In Bam machen wir das Guesthouse von Akbar ausfindig. Akbar ist im ganzen Dorf bekannt, seinen Spitznamen Akbar English führt der pensionierte Lehrer zu Recht. Akbars Hauptbeschäftigung ist es, den ganzen Tag auf einer Treppenstufe vor seinem Guesthouse zu sitzen, jeder der vorbei geht oder fährt grüßt ihn, mindestens jeder zweite verweilt sogar einen Moment um mit dem weisen Mann über Gott und die Welt zu quatschen. Auch wir setzten uns auf seine Stufe und führen eines der tiefgründigsten Gespräche auf dieser Reise. Bam war einst ein sehr beliebtes Touristenziel, leider hat das Erdbeben von 2003 die Stadt zum Großteil zerstört und vielen Menschen das Leben gekostet. Die Zitadelle wurde 2004 durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, Grund genug die beeindruckenden Gemäuer der alten Festungsanlage zu begutachten und siehe da, uns läuft sogar ein Wüstenfuchs über den Weg!

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Language Rape

Wir sind noch gar nicht in Pakistan, trotzdem haben wir irgendwie das Gefühl hetzen zu müssen. Die letzte Übernachtungsmöglichkeit im Iran heißt Zahedan, hier spielen wir Versteckspiel mit der Polizei, den Berichten nach bringt Dein Freund und Helfer Dich hier sicher im Hotel unter und leistet Dir Geleitschutz bis zur Grenze, etwas, was wir auf keinen Fall wollen, denn auch hier kommen wir über Couchsurfing gratis bei Alex unter. Das letzte Mal Durchatmen vor dem Grenzübertritt, doch eigentlich befinden wir uns bereits in Balutschistan. Wir haben das Gefühl, dass alles anders ist, die Art und Weise wie uns die Leute anschauen, generell wie alle gekleidet sind und sich verhalten. Möglicherweise fängt auch langsam unsere Psyche an verrückt zu spielen. Genug Schauergeschichten hören wir seit einigen Wochen. Wir sind zum ersten Mal richtig angespannt, etwas Erholung wäre gut, unsere Hosts haben allerdings unsere Zeit bereits voll verplant, sie schleppen uns als Anschauungsobjekt in ihre Englischkurse, in Zahedan boomt das Geschäft mit den Sprachschulen, für uns ist das nichts als „Language Rape“, trotzdem machen wir gute Miene zum bösen Spiel, nett sind sie ja alle und wir wissen ja auch, dass es nicht böse gemeint ist.

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Benzin? Nicht für Euch!

Nach 2 Nächten bei Alex müssen wir den schönen Iran endgültig verlassen, allein schon deswegen, weil wir fast die gesamte Visaspanne in diesem vielseitigen Land ausgereizt haben. Bevor wir uns auf den Weg zur Grenze machen können haben wir noch mit einer kleine Herausforderung zu kämpfen. Scheinbar verkaufen die Zahedaner kein Benzin an Touristen, er ist dafür viel zu kostbar, da der Sprit als Schmuggelgut viel lukrativer über die Berge nach Pakistan veräußert wird. Auch diese Hürde meistern wir, obwohl unsere Hosts lieber ausschlafen, anstatt uns zu helfen. Allerdings müssen wir uns mit Normal Benzin zufrieden geben, was immer hier auch „Normal“ bedeutet und hoffen, dass genug Oktan hinein gepanscht worden ist.

Bereit entführt zu werden?

100 km sind es bis zur Grenze, 100 unendlich lange Kilometer. Genug Zeit für Kopfkino! In Zahedan wollten wir keine Polizeieskorte, nach der Stadtgrenze, irgendwo im Nirgendwo hätten wir eigentlich nichts dagegen. Allerdings, keine Polizei weit und breit. Wir fahren weiter, 10 km, 20 km, endlich, ein Checkpoint. Wer hätte gedacht, dass wir uns einmal so über Männer in Uniform freuen würden. Bereitwillig händigen wir dem Polizisten unsere Pässe aus: „Please wait!“. Während wir warten hält ein älterer Mann auf dem Standstreifen an und kommt auf uns zu: „Also, die Prozedur sieht folgendermaßen aus, es kommt gleich eine Eskorte, dieser folgt ihr einfach und die Beamten begleiten euch bis zur Grenze und helfen euch bei den Formalitäten.“ Ok, sounds good! Inzwischen ist auch der Polizist, welcher mit unseren Pässen verschwunden war, wieder da: „No Escort“! – Wie jetzt, doch nicht?! Der Beamte schüttelt mit dem Kopf und gibt uns ein Zeichen ihn anzuschauen. Hinter seinem Rücken zaubert er eine Digitalkamera hervor und schießt tagesaktuelle Bilder. Für die Vermisstenliste, können wir nur vermuten. :-(

Wir sind wieder alleine in der Wüste, alleine mit unseren Gedanken. Hat es sich gelohnt für diese Reise zu sterben? Ach, umbringen werden die uns schon nicht, die wollen bestimmt nur Lösegeld…

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Erinnerungen kommen hoch, an Freunde, die Familie, alle die einen lieb haben. Werde ich sie jemals wiedersehen? Für den Kummer, den ich ihnen bereiten würde, hätte es sich auf keinen Fall gelohnt! Hätte ich lieber dort bleiben sollen! Ach meine kleine Nichte, so süß, so winzig, bisher habe ich doch kaum Zeit mit ihr verbringen können! Bumm! Plötzlich reist mich der Anblick von ca. 20-30 Menschen aus meinem Alptraum. Sie rennen so schnell sie können auf uns zu! Nein, nicht auf uns, auf die 4-5 Autos, die auf der anderen Straßenseite geparkt sind. WOW, welch ein Schock, nicht gerade alltäglich, Menschen illegal über die afghanischen Bergkuppen die Grenze überqueren zu sehen!

Der Schreck lässt die letzten fehlgeleiteten Gedanken vergessen. Zum Glück! Ein paar Kilometer weiter kommt ein weiterer Checkpoint, vielleicht sind diesen Beamten unsere Leben mehr wert als den letzten, und in der Tat, sie fordern uns auf mit der Weiterfahrt zu warten, bis eine Polizeieskorte eintrifft. Gut, nur vielleicht wäre es etwas sicherer hinter dem Zaun, als vor dem Zaun zu warten…

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