Das Leben als Backpacker

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Es war schon ein komisches Gefühl: so am Busterminal zu stehen und sich auf den zugewiesenen Platz zu begeben. Für jeden Erfrischungstücher, Süßigkeiten und ein Getränk (iranische Caprisonne). Der Motor startet, die Klimaanlage springt an. Nicht schlecht bei über 40 Grad draußen. Es hat auch angenehme Seiten: das Leben als Backpacker.

Wir haben uns von Abbas und Zara verabschiedet, die uns mehr geholfen haben als wir es jemals erwarten konnten: Nach dem das neue Ritzel nach knapp 1000km den Dienst quittierte fand Abbas eine Lösung, die Yamaha für gerade einmal 30€ nach Yazd (1000km entfernt) zu senden. Daher entschied sich Fou seine BMW ebenso zu verladen. Wir können Abbas nicht genug danken. Ohne ihn wären wir wohl jetzt noch in Teheran. Wir sind also in den Bus nach Isfahan gestiegen, der uns über 400km weit in das Herzen des Irans bringen soll. Ein persisches Sprichwort besagt:

Hast Du Isfahan gesehen, hast Du die halbe Welt gesehen.

Wir wollen es auf die Probe stellen.

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Wir haben Isfahan gesehen

Spät abends kommen wir an und suchen die Wohnung unseres Hosts Ahmad auf. Ahmad wohnt am Stadtrand und hat es sich mit 3 Freunden in seinem Wohnzimmer bequem gemacht. Er meint sie werden auch hier schlafen. Ist kein Problem meinen wir. Natürlich nicht, wir sind die Gäste hier. Außerdem ist noch ein Schweizer Backpacker Kollege da. Ach und er erwartet noch drei weitere Schweizer. „Is it okay for you?“ Klar ist es okay. Zumindest konnten wir das Bett ergattern. Ich tippe die beiden Wohnräume auf 40m². Da passen doch locker 9 Leute rein.

Die Nacht verlief tatsächlich einigermaßen erholsam und wir machen uns auf, persische Floskeln auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Wir schauen uns die 33 Bogen Brücke an, bei der neben den Touristenmassen vor allem das trockene Flußbett auffällt. Es ist ein furchtbar trockener Sommer für den Iran. Die Gartenanlagen werden trotzdem aus vollem Rohr bewässert. Es soll schön sein, gerade jetzt, denn es ist Ferienzeit. Aus dem gesamten Land kommen die Touristen und Isfahan scheint aus allen Nähten zu platzen – alle wollen die halbe Welt sehen. Wir bahnen uns den Weg zum größtem Platz im Iran, dem zweitgrößten der Welt: Meidan-e Emam, der Platz des Iman. Beeindruckend und drückend heiß zu gleich. Am Nachmittag werden alle Aktivitäten gestrichen.  Wir ziehen uns ins Apartment zurück. Von den 9 Gästen bleiben wir bis zum Abend die Einzigen.

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Wie aus 9 Gästen 13 werden

„Hey Guys – ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Es kommen noch ein paar Dänen heute Abend und außerdem ein Pärchen aus Venezuela. Ich hoffe es ist okay für euch. Ach und den beiden hab ich das Bett versprochen, ich hoffe es ist in Ordnung.“  “Mh.. Klar!”

Im Laufe der Abends trudeln die verschiedenen Teilnehmer dieses Couchsurfing-Experiments ein. Es ist nicht nur eng, sondern auch super interessant. Es mag das Couchsurfing Gen sein, aber alle kommen gut miteinander aus und es gibt viele anregende Gespräche. Die einen sind mit dem Zug aus Kopenhagen gekommen, die anderen wohnen und leben in Dubai und verbringen ihre Ferien hier. Auch wenn der Gedanke 40m² mit 13 Menschen zu teilen zu Beginn nicht besonders prickelnd war. Im Nachhinein ist es für mich das Highlight in Isfahan.

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Am nächsten Tag gibt es venezuelanisches Frühstück, gepaart mit guter Laune. Wir fahren auf einen Aussichtspunkt und genießen in einem Garten den Schatten und das Eis. In jeder Eisdiele findet man hier übrigens Karotten. Denn es gibt angeblich nichts köstlicheres als Eis mit Karottensaft.

Unsere Isfahan Erfahrung endet mit einem Nachtbus um 1.00 Uhr morgens. VIP – mit Liegesitzen. Wir kommen um 6.00 Morgens gerädert an. VIP schützt vor 12 Pausen nicht. Ich vermisse mein Motorrad. Hitze hin oder her.

Der Süßigkeiten Adel von Yazd

Yazd ist eine Stadt nach meinem Geschmack. 700.000 Einwohner sind eine Größe bei der eine Stadt in der Regel gut funktioniert. Und nach Isfahan und vor allem Teheran (>12mio(!)) tut Überschaulichkeit gut.

Seit der Schulzeit habe ich eine Freundin mit iranischen Wurzeln. Früher meinte sie oft der Iran sei das beste Land der Welt. Damals wollte ich das nicht so recht glauben und ließ sie das auch wissen. Damals war ich eben noch weniger helle als heute (viele mögen sich das nicht vorstellen können). Trotz meiner Witzeleien wurden wir von ihrer Familie eingeladen und in ein Hotel einquartiert.

„Ihr könnt überall Couchsurfen, aber nicht in Yazd“

Die Großzügigkeit und Gastfreundschaft ist für unseren deutschen Verstand zu viel. Wenn Dir soviel entgegengebracht wird und Du wenig zurückgeben kannst, dann weiß man oft nicht was tun. Wir versuchten zuerst das Hotel auszuschlagen, aus schlechtem Gewissen. Dies wurde aber rigoros abgelehnt und um eine Eskalationen zu vermeiden lenkten wir ein. Zugegeben, das Hotel war toll. Und nach der letzten Nacht im Bus und der vorletzten mit 11 anderen Schnarchnasen eine Wohltat.

Am nächsten Tag zeigte sich die taillenbedrohliche Lage: Der Familie gehört die berühmteste Süßigkeiten Manufaktur im Iran. In der Bibel für Backpacker ganze 3 mal erwähnt – ein Ritterschlag. Verbunden mit der sowieso immensen Gastfreundschaft fürchteten wir Rukka nach neuer Bekleidung fragen zu müssen.

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Die Tage in Yazd vergingen wie im Flug. Wir verbrachten unsere Tage beim Erforschen der Stadt – Yazd gilt als eine der ältesten Siedlungen der Welt und verfügt unter anderem über ein beeindruckendes und uraltes Bewässerungssystem. Desweiteren gibt es viele alte Anwesen, die den ganzen Ideenreichtum der persischen Architektur zur Schau stellen. Besonders die Windtürme (Badgir), der höchste steht – natürlich in Yazd -, sind eine fantastische Erfindung gegen das heiße Wüstenwetter. Abends verbringen wir unsere Zeit mit Familienfeierlichkeiten. Egal ob im Ferienhaus in den naheliegenden Bergen oder im Restaurant um die Ecke. Man versteht es uns auf herzlichste Weise willkomenn zu heißen. Nach 4 Tagen fühlen wir uns heimisch, dass Abschied nehmen schwerer fällt als denn je.  Yazd war schön und Yazd tat sehr gut. Es war fantastisch um Kraft zu tanken, denn es würden auch wieder andere Tage folgen.

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Auch die Ankunft der Motorräder und die Reparatur von Smetana lief wie geschmiert. Die Ersatzteile brachte ein Onkel, der zur rechten Zeit seinen Urlaub im Iran verbrachte und auch eine Werkstatt war schnell gefunden. Nach einem Tag konnte ich Smetana mit frischem Kettensatz in Empfang nehmen. Als Dank fühlte ich ein heftiges Ziehen als ich am Gasgriff drehte. Smetana war wieder voll einsatzfähig und das backpacking Kapitel beendet.

Ob der Iran das beste Land der Welt ist, dafür bin ich zu wenig gereist. Aber ich bin mir fast sicher, dass er das gastfreundlichste Land ist. Noch ein Beispiel gefällig?

Als ich den Mechaniker für den Einbau der Teile bezahlen wollte, sagte er:“ Du musst nichts bezahlen, du bist mein Gast.“

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