One Night in JAMMU

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Das Städtchen Jammu kennen wohl die wenigsten. Vermutlich auch deswegen, da es weder das Taj Mahal beherbergt, noch eine Hippiehochburg wie Goa darstellt. Wir verraten Dir, warum Jammu dennoch so wichtig für jeden Indien-Overlander ist.

Jammu ist das indische Tor zu Kaschmir und liegt am Fuße der Gebirgskette. Jeder, aber auch wirklich jeder, der Kaschmir bereisen möchte muss auf dem Hin- oder Rückweg hier durch. Allerdings gibt es auch unzählige andere Gründe, warum sich ein Besuch lohnt.

Nun zum ursprünglichen Plan

Stefans Herz schlägt von Anfang an für die Himalaya Überquerung. Ich dagegen wollte mir ausreichend Zeit für die geheimnisvolle und leider immer noch umkämpfte Region Kaschmirs nehmen. Wir wollten also 1 Nacht in Jammu unterkommen und dann schnurstracks weiter nach Srinagar fahren, wo sich unsere Wege für die nächsten 1-2 Wochen trennen sollten. Von Srinagar aus führt „die Krake“, so habe ich meine Tour liebevoll genannt, einmal kreuz und quer nach Gulmarg, Pahalgam, Sonmarg und wieder zurück. Stefan wollte im Uhrzeigersinn die Region Ladakh unsicher machen: Von Srinagar aus nach Leh und dann nach Manali.

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Glücklicherweise hat uns die verspätete Reifenlieferung in Amritsar vor der größten Naturkatastrophe der Region, in den letzten 60 Jahren, bewahrt. Kaum in Jammu angekommen haben wir von der durch einen Landrutsch unpassierbaren Straße nach Srinagar gehört. Ebenso wurde das Tal von den anhaltenden Regenfällen und aus den Ufern tretenden Flüssen total überschwemmt und verwüstet. Planänderung! Aber den Rest kennst Du ja als aufmerksamer Leser. Die Kaschmir Pläne wurden schweren Herzens auf Eis gelegt. Dafür haben wir beide Ladakh mit unterschiedlichen Fortbewegungsmitteln erkundet ( Der Manali-Leh Highway; Ladakh Bomus: Nubra Valley, Pangong Lake & Saach Pass).

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Ach ja, ursprünglich ging es doch eigentlich um Jammu?!

Nun, durch die veränderten Umstände haben wir Jammu zu unserem Basislager gemacht, so wurde aus einem Tag ganz schnell ein ganzer Monat. Ohne unseren unglaublich hilfsbereiten Gastgeber Naaveen und seiner liebenswerten Familie wäre dies allerdings unmöglich gewesen. Unser Couchsurfing Freund Naaveen ist eine Klasse für sich: Arzt, Vater, Biker, Abenteurer, Rocksänger und vieles mehr!

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Aber nun der Reihe nach:

Als richtiger „Traveler“ kaufst Du Dir natürlich eine nationale Simkarte, je nachdem in welchem Land du gerade unterwegs bist. Solltest Du mit Deiner indischen Simkarte allerdings in die Nähe eines Grenzgebietes kommen, wie es bei uns in Jammu der Fall war, drehen dir die Obersten ganz schnell den Saft, bzw. das Netz ab. Wie also Kontakt zu Deinem neuen Gastgeber aufnehmen, damit der dich, wo auch immer du gerade bist, einsammeln kann? Mit 2 Motorrädern, wie wir sie haben, geht das super easy. Einfach irgendwo anhalten und schon scharren sich die neugierigen Inder um dich. Und da heute zu tage jeder mindestens ein Mobiltelefon bei sich trägt, konnten wir Naaveen mit unseren neuen Freunden relativ schnell Bescheid geben, wo wir gestrandet waren. Als waschechter indischer Biker kann es natürlich nur ein Gefährt geben, mit welchem er uns standesgemäß abholen kann, richtig, einer ROYAL ENFIELD. Spätestens jetzt war allen klar, dass wir uns prächtig amüsieren werden.

„The Indian Dream“

Naaveen lebt den „Indischen Traum“, er hat sich das Obergeschoß seines elterlichen Anwesens einverleibt, auf dem Dach einen Proberaum improvisiert und ist als Arzt bei der Regierung angestellt. Die Summe all dieser Faktoren bedeutet: Viel Zeit, wenig Verpflichtungen und genug Geld; eine ideale „work-life-balance“. Der Alltag eines solchen Menschen? Nun ja, sehr sehr lange ausschlafen, am besten bis die Mittagssonne wieder hinter dem Horizont verschwunden ist, ein extra ausgedehntes Frühstück mit einer Menge Eiern auf Toast und kannenweise zuckersüßem „Milktea“. Nach dieser Prozedur müssten sich Normalsterbliche eigentlich wieder ins Bett rollen, allerdings ist Naaveens Tatendrang so ansteckend, das unzählige Tagestrips geradezu darauf warten von uns in Angriff genommen zu werden: Mansar Lake, Surinsar Lake, Basantar Riverside Trail, Jatta, Babor, Mahorgarh und viele mehr. Umso ländlicher und unzugänglicher das Dorf, desto netter und liebenswerter die Menschen.

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Und falls Du bei diesen Bildern denkst, dass Naaveen sicher über einen allradangetriebenen Geländewagen, einen Unimog oder einen Helikopter verfügen muss, um mit uns die entlegensten Winkel Jammus zu erkunden, muss ich dich leider enttäsuchen. Die einzigen Fortbewegungsmittel waren unsere Beine und Naaveens 7 Jahre alter Maruti Suzuki 800. Du wirst es nicht glauben, aber damit haben wir sogar ein nicht ganz so trockenes Flußbett bezwungen.

Naaveen hat uns bereits am ersten Tag angeboten unsere Bikes bei ihm unterzustellen, solange wir die anderen Teile Indiens erkunden. Solange Stefan und ich in Ladakh unterwegs waren stand zunächst nur mein Motorrad bei ihm unter. Sobald es dann aber nach Delhi und Goa ging, haben wir ihm unsere beiden Schätze überlassen. Stolz wie Oskar hat er die Zeit für diverse Fotoshoothings verwendet.

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Delhis Powerfrauen

Wie Du bereits weißt war unser erster Strandurlaub absolut fantastisch. Durch unsere Gastgeber Sue und Rk konnten wir Delhi auf unserem zweiten Zwischenstopp in der Megastadt auch genießen. Du magst es kaum glauben, Sue ist eine von 3 Helikopterpilotinnen in Indien und auch sonst steckt so einiges in der Powerfrau. Sie ist stolze Besitzerin von einer nigelnagelneuen Triumph Bonneville, taucht für ihr Leben gerne, betreibt Kampfsport und verbringt ihre freien Tage gerne an der Kletterwand hängend. Zu ihrem letzten Hobby durfte ich sie sogar begleiten. Und als uns beim Beantragen unseres Myanmar Visas die nette Mafer aus Guatemala über den Weg gelaufen ist, haben wir es sogar noch in die Partyszene der ansässigen Expats gebracht. Ein würdiger Abschied aus der Metropole.

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Tik tak, tik tak

Zurück in Jammu stehen wir wohl vor der größten logistischen Herausforderung unseres Lebens und die Zeit drängt! Damit wir einigermaßen „günstig“ nach Thailand kommen, müssen wir uns für die Myanmar Durchfahrt einer Reisegruppe anschließen. Obwohl sich das Land in den letzten Jahren immer mehr nach außen hin öffnet gibt es für „Overlander“ einige Restriktionen, beispielsweise ist ein Guide, der Dich bei Deiner Tour rund um die Uhr begleitet, unabkömmlich. Die Uhr tickt also! Wir haben exakt 14 Tage Zeit um Indien von West nach Ost zu durchqueren. 14 Tage für 2.300 km, in einem Land, das nicht gerade für sichere und ausgebaute Straßen bekannt ist!