“Kazakhstan greatest country in the world. All other countries are run by little girls.” Das behauptet zumindest Borat.

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Also was soll man nun halten, von den “-stan Ländern” (Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan und Turkmenistan)?!

Wir wissen es nicht, noch nicht! Wir wissen von Kasachstan so gut wie nichts, auf unserer Reise durch Russland haben wir immerhin mitbekommen, dass Kasachstan das 9. größte Land der Welt ist. Viele haben uns gewarnt, vor den Straßen, vor den Polizisten und vor den Leuten. Wenn wir aber bisher eins gelernt haben, dann dass uns jeder Horrorgeschichten von seinem Nachbarstaat erzählt. “Come in and find out” heißt also wiedermal die Devise.

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Beginnen wir mit den Straßen, in der Tat haben wir das Gefühl, dass nach der russischen Grenze die Straße abrupt aufhört und zur Piste wird. Bei der Schlange an LKW’s schwant uns böses, es hat ja schon ewig gedauert aus Russland hinaus zu kommen. Aber dann, ganz plötzlich, kommt alles anders als gedacht, die Grenzer sind freundlich, die Prozedur geht zackig und ein Versicherungsbüro ist auch schnell gefunden. Vielen Dank für den netten Empfang Kasachstan.

Ob es nun so weiter geht?

Na ja, die Straße zumindest ging eine Weile so weiter, überall waren aber fleißige Arbeiter, die für die kommenden Jahre vielversprechend wirken. Weil wir eine zermürbende Grenzprozedur befürchtet haben, ist die Tagesetappe nur kurz und die Unterkunft ein Hotel anstatt eines Zelts. Na ja, gebucht ist gebucht und der Pool, die Sauna, sowie der Jacuzzi sind eine willkommene Abwechslung. :-)
200km südlich von Petropavlovsk und 100 km vor Astana erwartet uns der Burabay, ein himmlisch schöner See, gelegen im Burabay (Borovoe) National Nature Park. Die kurvige Straße um den See herum ist wie Balsam auf unsere schlaglochgepeinigte Seele. Nach der Erkundungsfahrt haben wir auch schon ein nettes Plätzchen für unser Nachtlager ausgemacht. Direkt am See und nicht weit ab von der Straße, leicht versteckt hinter mehreren Felsen. Eigentlich schwer zu entdecken, EIGENTLICH! Nicht für das geschulte Auge der Park-Ranger. Da haben wir es uns gerade gemütlich gemacht, „klopft“ es an das Zelt und eine tiefe Stimme ruft: „Hello! Park-Ranger!“. Nach einer kurzen Diskussionsrunde mit Strafandrohung haben wir folgenden Kompromiss ausgehandelt, wir dürfen am See „Wildcampen“, müssen aber unsere Zelte tiefer im Wald erneut aufbauen, dafür bekommen die Ranger 1000 Tenge Bestechungsgeld (umgerechnet ca. 4€), unser erstes Mal, dass wir auf dieser Reise jemanden schmieren müssen.

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Chupa Chups

Nach der nervenaufreibenden Nacht mit Parkrangern, 1000000 Mosquitos und einer aufgeplatzten Luftmatratze machen wir uns bereits in den Morgenstunden auf nach Astana, der neuen Hauptstadt Kasachstans. Ende 1997, in einem Anfall geistiger Umnachtung, beschloss Staatspräsident Nursultan Nasarbajew der ehemaligen Hauptstadt Almaty den Rücken zu kehren und in der windgepeitschten, baumlosen, asiatischen Steppe, eine neue Metropole aus dem Boden zu stampfen. So wie sich das anhört sieht es auch aus, ein Mix aus Disney World und Dubai, mit hohen Wolkenkratzern und unzähligen Shoppingmalls. Das Wahrzeichen Astanas ist der 97 Meter hohe Baiterek Turm, von den Einwohnern liebevoll Chupa Chups genannt. So hatten wir uns Kasachstan nicht vorgestellt. Immerhin konnten wir aber von den fantastisch ausgebauten Straßen profitieren. In Astana hatten wir eine sehr angenehme Zeit mit unserem jordanischen Host Khaled. Er wurde nach Astana entsandt, um als Lead Coordinator, den Baufortschritt des Abu Dhabi Plaza zu beaufsichtigen, dem zukünftig höchsten Gebäude Astanas. Wir nutzen den Aufenthalt, um unseren Bikes frisches Öl einzuverleiben und sie auf die kommende Steppe vorzubereiten.

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Kindsköpfe

Nächster Stopp, Karaganda, ein Name wie aus einem Märchen. Allerdings hat die Stadt nicht viel Märchenhaftes zu bieten. Den Aufenthalt genießen wir dennoch, Phil und Dee sei Dank. Wie es zwei Neuseeländer nach Kasachstan verschlägt ist uns zwar immer noch ein kleines Rätsel, allerdings haben wir mit den beiden unheimlich viel Spaß. Nach einer abenteuerlichen Busfahrt ziehen wir mit ihren Lehrerkollegen aus Canada und USA um die Häuser. Trotz mittleren Alters fühlt es sich eher wie ein Klassenausflug an.

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Am nächsten Tag stehen wir vor einer schweren Entscheidung, welche Strecke sollen wir nach Almaty nehmen?! Entweder die Hauptstraße im Westen, vorbei an dem schönen Balkhash See oder die weniger befestigte Straße im Osten, entlang der chinesischen Grenze, vorbei an unzähligen Nationalparks und den höchsten Bergen Kasachstans?! Wie würdest Du dich entscheiden?

Hast Du schon mal in einem Container übernachtet?

Nach langem hin und her entscheiden wir uns für die anspruchsvollere Route über den Osten. Die erste Etappe führt uns zum Karkaraly National Park, die Straße ist überraschend angenehm ausgebaut und der See, umgeben von hohen Felsformationen ist überaus faszinierend. Die dunklen Wolken über dem See und die leichten Regentropfen veranlassen uns das ansässige Hotel aufzusuchen, leider sind die Zimmerpreise außerhalb unseres Budgets und wir verlassen mit hängenden Köpfen die Lobby. Da ruft uns die Verantwortliche noch hinterher, dass es in der Nähe ein günstigeres Hotel gäbe und macht uns sogar das Angebot, uns mit Ihrem in die Jahre gekommenen, höher gelegten VW Passat, den Weg zuweisen. Im Eiltempo fährt sie voraus. Das angekündigte Hotel stellt sich als ein, zu Unterkünften umgebauter, Container Park heraus. Durch den nun stärker gewordenen Regen entscheiden wir uns das Abenteuer trotzdem in Kauf zu nehmen und begeben uns in unsere spannende Behausung. Von dem Besitzer werden wir unglaublich herzlich aufgenommen und profitieren sogar von seinem Zimmerservice mit heißem Chai und frisch gegrillten Hähnchenschlägeln.

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Eine Entscheidung, die wir noch bereuen sollten!

Falls es so weitergeht, dann hatten wir mit unseren Bedenken, Richtung Osten zu fahren, Unrecht. Leider geht es aber nicht so weiter, die Regenfälle vom Vortag haben die Piste in eine Mischung aus Schlamm und Matsch verwandelt, mit reichlich Pfützen und Schlaglöchern. Mit der Hoffnung auf Besserung quälen wir uns dennoch im Schneckentempo durch die nächsten 80 km. Keine Besserung in Sicht! Außerdem wird unser Sprit langsam knapp, ebenso wie unsere Verpflegung! Tankstellen sind leider genauso knapp gesät wie Asphalt auf der Straße. Immerhin ist ein kleines Dorf in Sicht. Mit der Vorfreude kommt der Übermut und schwindet die Vorsicht, einmal nicht aufgepasst liegt die gute BMW im Schlamm, zum Glück ist sie gerade noch vor der Böschung zum Stehen gekommen. Mit vereinten Kräften heben wir sie auf und fahren ganz vorsichtig zum rettenden Ufer, dem Dorf im Nirgendwo. Umso tiefer wir ins Innere des Ortes fahren, desto mehr Aufmerksamkeit erregen wir. Kinder scharren sich um uns, lächeln und schauen uns zugleich verdutzt an.

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Natürlich stehen wir allen, so gut wir eben können, Rede und Antwort. Ein Bewohner hat sogar ein Benzindepot in seiner Scheune und bietet uns an die Motorräder zu betanken, leider führt er allerdings kein 95 – 98 Oktan Gemisch, wer kann es ihm verdenken. Wir lehnen dankend ab und entscheiden uns schweren Herzens die Ost Pläne aufzugeben und den Rückmarsch mit der Hoffnung anzutreten, dass uns Phil und Dee für eine weitere Nacht aufnehmen werden.





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