Der Manali Leh Highway

Manali Leh Highway 2014

2 Wochen Amritsar-Fieber? Magen-Darm? Reisetief? Wie weggeblasen! Es geht nach Ladakh  auf den Manali-Leh Highway! Der schlammige Traum so vieler Motorradfahrer! Ladakh ist eine Region im Staat Jammu und Kashmir mit gerade einmal 270.000 Einwohnern und Tälern die allesamt über 3.000m liegen.  Die Fahrt von Manali nach Leh ist eine 476km lange Achterbahnfahrt die seines gleichen sucht. Es geht durch das zentrale Himalaya und über die höchsten befahrbaren Pässe der Welt. Knapp 2.000km habe ich insgesamt zurückgelegt und was dabei alles passiert ist liest Du hier.

 

Prolog – der Weg zun Manali Leh Highway

Es bietet sich an eine Rundreise durch Ladakh zumachen. Das bedeutet Du fährst von Srinagar nach Leh und von Leh nach Manali. Diese Route wird empfohlen, da Du Dich langsam an die extremen Höhen gewöhnen kannst. Allerdings hat mir der Monsun einen Strich durch die Rechnung gemacht. Heftige Regenfälle haben Srinagar in ein modernes Atlantis verwandelt und so muss ich von unserem Host Naveen direkt nach Manali fahren. Fou, der Kaschmir ausgiebig erkunden wollte, hat sich auf Grund der Flut Katastrophe nun ebenfalls entschieden nach Leh zu reisen, allerdings ist sein Reisemittel für diesen Trip ein Flugzeug. Das selbe Ziel, zwei unterschiedliche Wege. In absoluter Hochlaune verlasse ich Jammu und komme genau 12 km weit bis ein Nagel mir einen ersten Dämpfer verpasst hat. Nagelprobe? Naja der neue Schlauch ist hin.

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Der Rest der 2 tägigen Reise verläuft für indische Verhältnisse ruhig und ich will Dich damit gar nicht langweilen, schließlich bist Du wegen der Berge hier.

Angekommen in Manali lerne ich 2 neue Freunde kennen. Els und Reinier sind mit ihren jeweiligen Partnern hier um Ladakh auf Royal Enfields zu bezwingen; das macht man hier eigentlich so. Die vier haben einiges an Reiseerfahrung, beispielsweise sind sie quer durch Afrika gereist (natürlich auf Motorrädern). Wir verstehen uns von Beginn an und verbringen die nächsten Tage auf dem Manali Leh Highway gemeinsam.

Etappe 1 – Manali nach Jispa

Du weißt nicht was auf Dich zukommen wird, denn Du fährst am Morgen los und schaust wie weit Du kommst. Das erste Hindernis ist nämlich der Rohtang Pass auf 3980m. Er fungiert als Wetterscheide, das heißt wenn es regnet, regnet es nur hier. Der Rest der Strecke ist so hoch, dass man von einer Bergwüste spricht, die so trocken ist wie die Sahara. Ich habe wirklich gehörigen Respekt vor dem Rohtang, auch geschädigt durch diesen Reisebericht und vielen Erzählungen

Aber Ladakh war lange ein buddhistisches Königreich und unser Karma ist uns wohl gesonnen. Die Bedingungen sind traumhaft!

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Als wir den Rohtang bezwungen haben müssen wir uns an einem Stau vorbeizwingen. Ist das schon das Ende unserer Glückssträhne? Es stellt sich heraus, dass eine Brücke hinüber ist. Ohne Maschinerie aber mit viel Improvisationstalent wird diese wieder gerichtet. Wir verköstigen uns derweil an einem der Essenstände, die hier immer wieder zu finden sind und warten ab. Nach 3 Stunden wird die Brücke wieder freigegeben. Rate mal wer vorne stand? Durch unsere Taktik können wir die Brücke zuerst überqueren und sind für den Rest Tages allein! Kein Gegenverkehr, kein Überholen, nichts. An der Engstelle vor der Brücke spielen sich biblische Szenen ab, jeder will gleichzeitig, es ist eben doch noch Indien. Wir sehen dieses Spektakel nur im Rückspiegel und genießen die unendliche Freiheit.

Etappe 2 – Jispa nach Pang – Besuch auf dem Mond

Wir verlassen Jispa bei fantastischen Bedingungen. Auf uns wartet der erste richtig hohe Pass. Baracha La – 4980m! viertausenneunhundertachtzig Meter!

Gebremst werden wir vom ersten Erdrutsch auf unserer Tour. Nur ein kleiner und genau vor einer Dhaba, den kleinen Roadside Cafes, mit einem Dach aus altem Fallschirmstoff. Baracha La lassen wir im Nu hinter uns und weil es so gut gelaufen ist und wir immer noch früh dran sind entschließen wir uns den nächsten Pass auch noch zu meistern, Lachung-La 5.029m hoch.

Die Anfahrt ist von den Gata Loops geprägt. 23 nicht enden wollende Serpentinen schlängeln sich den Berg hoch und sorgen für 600 Höhenmeter auf gerade mal 2km Distanz!

 

Gata Loops

Gata Loops

Kurz vor unserem Nachtlager kommen wir nur noch sehr langsam voran. Das liegt neben den vielen Pipipausen (viel trinken bei der Höhe) am Fotografieren. Man will aber auch gar nicht vorankommen! Die Mondlandschaft kurz vor Pang im Licht der untergehenden Sonne ist faszinierend. Was man möchte ist von dem Sattel steigen, sich verneigen und laut applaudieren!

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Die Konsequenz aus unserem Gipfelsturm ist nun, dass wir unser Nachtlager in Pang aufschlagen (müssen). Pang liegt auf 4.600m. Und davon wird dringend abgeraten. Die enormen Höhen sind für kurze Zeit gut auszuhalten; geschlafen werden sollte allerdings tiefer. Unser Nachtlager davor befand sich auf 3100m. Den Sprung bekommen wir auch zu spüren. Kopfschmerzen, Schwindel und Schlaflosigkeit begleiten uns durch die Nacht.

Etappe 3: Pang nach Leh – endlich ankommen

Die Nacht war kurz und auch nicht besonders erholsam. Ich habe über den Tag hinweg 5L Wasser getrunken und musste die Leute in meinem Schlafsaal gefühlte hundertmal wecken und raus in die Kälte. Zumindest wurde das belohnt von einem Sternenhimmel der seines gleichen sucht. Man ist dem Himmel unglaublich nahe.

Auf der letzten Etappe wartet der zweithöchste Pass der Welt auf uns: Taglang-La mit 5.328m. Die Fahrt beginnt sehr einfach, wir befinden uns auf einem Plateau und schießen geradezu über die perfekt asphaltierten Straßen. Zum Mittagessen kehren wir wieder in eine der Straßen-Fallschirm-Dhabas ein, um uns mit Maggi Nudeln – mangels Alternativen- aufzuwärmen . Zurück auf der Straße ziehen dunkle Wolken über dem zweithöchsten Pass auf. Ich ziehe die Regenausrüstung an und jede Zwiebel wäre neidisch auf meine Zwiebelschichten. Kurz nach dem Fallschirm Laden hört auch der Asphalt auf. Es wird staubig und als wir dann mit dem Aufstieg beginnen wird es neblig und auf halbem Weg fängt es an zu stürmen und zu schneien. Ich hasse mich dafür keine Heizgriffe eingebaut zu haben. Es wäre so einfach gewesen, nun ist es bitterkalt!

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Die Enfields kämpfen mit der Nässe und gehen ständig aus. So wird ein schnelles Gipfelfoto gemacht und dann nichts wie runter. Die Rückseite des Taglang-La ist perfekt asphaltiert und gäbe eine tolle Rennstrecke ab, allerdings ist die Sicht so beschränkt, dass man daran nicht wirklich denken mag. Wir quälen uns die längsten 50 Km dieser Reise den Pass hinunter bis wir schließlich das nächste Cafe erreichen. Es gibt wieder nur Maggi, aber es scheinen die besten der Welt zu sein, denn sie sind so schön heiß!

Wars das schon in Ladakh? Nein! Lese hier was du noch alles in Ladakh anstellen kannst: Ladakh Bonus




  1. Valentin

    Hallo Stefan,

    habe mir die Strecke auf der Karte angeschaut und dabei Gänsehaut bekommen. Eine gigantische Herausforderung, der ich mich bei einer (noch zu planenden) Weltumfahrung auch unbedingt stellen möchte ;) Weiterhin gute Fahrt, viel Spaß und danke für’s Teilen eurer Erlebnisse.

    Gruß,
    Valentin


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