I didn’t know that a girl like you could make me feel so sad, Smetana

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Warum in den Iran? – Warum nicht?! :-)

Die Vorfreude war groß, sehr groß sogar! Alle Reisenden auf unserer Route, die bereits durch den Iran getourt sind, waren immer großen Lobes. Natürlich haben wir in der Heimat auch schon die eine oder andere Erfahrung mit Iranern machen dürfen, nichtsdestotrotz verbindet man mit dem Iran, sofern man die Nachrichten einschaltet nicht nur positive Dinge.

Die erste positive Erfahrung war für uns bereits der Weg in den Iran. Startend von Asgabat in Turkmenistan war es nicht mehr allzu weit bis zur Grenze. Das Besondere bei dieser Grenzüberquerung ist allerdings, dass die iranische Grenzstation auf dem Scheitelpunkt eines Bergpasses liegt. Und die Straße dahin ist sagenhaft, kein Verkehr, unendlich viele Kurven und eine unglaublich schöne Flora und Fauna. Eine wahre Traumstraße!

Unser erstes Ziel im Iran heißt Mashhad, sie ist nach der Hauptstadt Teheran die zweitgrößte Metropole und gilt unter Pilgern als Wallfahrtsort. Trotz des Fastenmonats Ramadan und trotz der Empfehlung, Mashhad lieber nicht im Sommer anzusteuern, weil dies die Hauptreisezeit für alle Pilger ist und scheinbar die Hotels aus allen Nähten platzen, lassen wir uns von unserem Ziel nicht abbringen, schließlich gibt es ja Couchsurfing.

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Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!

Leider kommen wir aber nicht ganz bis nach Mashhad, ca. 60 km vor der Stadt möchte Smetana (Stefans geliebte Yamaha) keinen Meter mehr weiterfahren. Aus gutem Grund, das Antriebsritzel ist vollkommen runtergeschlissen. Der erste Gedanke: „Bitte nicht jetzt, bitte nicht hier!“ . Natürlich haben wir kein passendes Ersatzteil dabei und natürlich ist der Iran, gestraft durch diverse Sanktionen und Einfuhrverbote, nicht gerade dafür bekannt, Ersatzteile aller Art auf Lager zu haben. Insbesondere, da es kaum große Maschinen im Iran gibt, meistens ist bei 200ccm Schluß, da es den stärkeren Motorrädern nur gestattet ist, Freitags zu einer bestimmten Uhrzeit durch die Straßen zu düsen.

Also was tun? – In der Zeit, in welcher wir das Schlamassel begutachten und hilflos am Straßenrand stehen bildet sich eine Traube von interessierten Menschen um uns. Der Unterschied zu den meisten Ländern vorher, die Menschen sind nicht nur neugierig, sondern auch ausgesprochen hilfsbereit. Mir nichts dir nichts geleiten sie uns zum nächsten Mechaniker, nach einer kurzen Inspektion kann er uns leider auch nicht weiterhelfen. Ehe wir uns versehen reicht uns jemand sein Handy, unbeholfen ergreifen wir das Gerät und am anderen Ende der Leitung spricht tatsächlich jemand fließend Englisch. Er verspricht uns, sich auf den Weg zu uns zu machen, also warten wir bis er eintrifft und verständigen uns in der Zeit mit Händen und Füßen mit den restlichen Schaulustigen.

Trotz englischsprachiger Unterstützung führt leider kein Weg daran vorbei, nach einem fähigeren Mechaniker in der nächstgrößeren Stadt zu suchen. Aber wie bekommen wir Smetana dort bloß hin? – Ihr stures Bocken und Murren war Zeichen genug, dass sie nicht mehr weiter will. Aber auch hierfür hat unser Dolmetscher eine passende Lösung parat. Ein kurzer Anruf und wenige Minuten später tuckert ein in die Jahre gekommener Kleintransporter mit offener Ladefläche auf uns zu. Ganz ohne Laderampe, geschweigenden Zurrgurte hieven wir Smetana mit vereinter Kraft auf den Pickup und machen sie mit einem „Seil“ fest. Los geht’s!

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Für nur 20$ fährt uns Hussein geschlagene 2 Stunden durch Mashad um einen Mechaniker zu finden, der sich zutraut ein passendes Ersatzteil für die Yamaha zu basteln. Mit uns meine ich Stefan. Meine BMW und ich dürfen mit maximal 70km/h hinter dem Pickup herfahren, da sich vermutlich bei jedem km/h mehr, mindestens eine Schraube bei dem gerade noch so fahrtauglichen Transporter lockern würde.

Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!

Gegen 21 Uhr, 3 Stunden später als geplant, kann uns dann endlich Amin in Empfang nehmen. Amin ist unser Wallfahrtsort in Mashad, ein junger erfolgreicher Mann, der speziell für Gäste und Freunde ein „bachelor’s house“ besitzt. Hier treffen sie sich, um ungestört über das Universum zu philosophieren oder um über die aktuelle Regierung zu diskutieren. Natürlich gehen diese Freigeister nicht auf den Balkon, um nur Zigaretten zu rauchen. Uns gefällt’s, und da wir wegen des verschobenen Wochenendes im Iran eh ein paar Tage auf die Wiedergenesung Smetanas warten müssen, machen wir es und mit ein paar Ameisen gemütlich.

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Wer nach Mashhad fährt muss den heiligen Shrine von Imam-Reza besuchen, zumindest solltest Du es versuchen. Also machen auch wir uns auf dem Weg zur „Unsterblichkeit“, dies sagt man zumindest den Leuten nach, die es geschafft haben den Shrine zu berühren. Verschiedenste Reiseführer berichten davon, dass Touristen und vor allem nicht Muslime zwar auf das Gelände dürfen, den Shrine aber nie zu Gesicht bekommen. Challenge accepted! Voller Selbstbewusstsein, den Blick immer streng geradeaus gerichtet stolzieren wir an den Wachmännern vorbei. Und in der Tat, wir schaffen es in die Moschee. Fasziniert halten wir vor dem Anblick einen Moment inne, alle Wände und sogar die Decken sind mit kleinen Kristallspiegeln versehen und funkeln um die Wette. Die erste Hürde ist geschafft! Stefan, noch geflasht von all den Eindrücken verpasst leider den passenden Moment, um sich mit mir in den Strom der Massen zu werfen, die um den heiligen Shrine kreisen, so erlange nur ich die Unsterblichkeit von Imam-Reza. Wer kann es ihm aber verdenken, was sich am Shrine abspielt, all die Emotionen und Rituale der Gläubigen, ist unbeschreiblich.

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Bevor wir das Kulturprogramm mit Teppich- und Nationalmuseum im Komplex fortsetzen können zwingt uns allerdings das niedrigste menschliche Bedürfnis zum Aufsuchen der sanitären Anlagen. Womit wir allerdings nicht gerechnet haben ist, dass Stefan beim Wiedereintritt durch sein Tattoo als Touri enttarnt wird und wir fortan einen Sittenwächter zur Seite gestellt bekommen, der uns auf unserer Tour begleitet, was er allerdings nicht weiß, zu 50% unsterblich sind wir schon!

Klar war, dass Iran nicht der beste Ort für ein Wehwehchen unser Maschinen sein wird, klar war auch, dass wir nicht ohne weiteres an passende Ersatzteile kommen werden, allerdings haben wir die flinken Hände unseres Mechanikers anfangs unterschätzt. In nur 1,5 Tagen bringt modernste iranische Ingenieurskunst ein nigelnagelneues Antriebsritzel zum Vorschein. Die Frage ist nur, wie lange wird es halten?!

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