„F*ck the EU“

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Moskau, die Stadt der Superlative

Falls Dir jemand eine Stadt in Russland als Reiseziel nahelegt, dann ist es wohl Sankt Petersburg.

Moskau ist eher als Hauptstadt der Reichen und Schönen verpönt. Mit der höchsten Millionärsdichte und mindestens 76 Supperreichen Einwohnern mag das bestimmt auch zutreffen. Falls Du dich aber wirklich dazu entscheiden solltest Moskau auszulassen, dann verpasst Du definitiv etwas!

Jede Stadt bisher hatte ihren ganz besonderen Charme, jede Stadt war auf ihre Weise schön.
Doch Moskau übertrifft alles bisher Dagewesene. Nehmen wir an Du tourst durch Russland, als erstes fällt Dir auf, dass alles viel viel größer ist als irgendwo sonst, Statuen, Denkmäler, Kirchen, einfach alles. Als zweites fällt Dir auf, dass eine Vielzahl von Ämtern in Palästen untergebracht ist und sogar teilweise normale Wohnhäuser Schlössern gleichen. Alles scheint und glänzt Dich von weitem an, kommst du dem Objekt deiner Begierde aber näher, ist die Enttäuschung groß. Die Fassade bröckelt, die Farben sind verblichen, vieles überlässt man in Russland nach einiger Zeit wohl sich selbst.

Anders in Moskau! Gefällt Dir etwas wird es umso schöner, desto näher Du kommst. Erscheint Dir etwas in weiter Ferne möglicherweise interessant, haut es Dich vom Hocker, sobald Du davor stehst.

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Das ist Moskau und noch viel mehr! Ich empfehle Dir, zunächst Moskau im Sommer zu bereisen, genauso wie wir es gemacht haben. Denn im Sommer, nach 6 Monaten Frost, nach 6 Monaten Neonlicht, nach 6 Monaten Abstinenz, kommen alle aus ihren Häusern und feiern ein großes Fest auf den Straßen, in den Parks und in den Bars. Zumindest hat es sich für uns so angefühlt.

In der Tat bietet die Stadt ihren Einwohnern alles was das Herz begehrt. Wo letztes Jahr noch Autos gefahren sind finden heute kostenfreie Tanzkurse statt. Neue Fußgängerzonen, Parks und Kinderanimation vom Feinsten, da würden sich unsere Parkschützer und Stuttgart 21 Gegner sicherlich auch wohlfühlen.

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Was macht ein Ostfriese in Moskau?!

In Moskau sind wir unserer Couchsurfing Tradition natürlich treu geblieben. Und siehe da, ein Ostfriese im tiefsten Russland. Udo hat sich aber keineswegs verlaufen, er ist dem Ruf der Liebe gefolgt und lebt mit der schönen Valentina in einem mit Antiquitäten bestückten Apartment im Herzen Moskaus zur Untermiete. Die russische Regisseurin hat darauf bestanden ihr Hab und Gut nur Europäern zu überlassen. Udo hat es mit seinen fließenden Russischkenntnissen zum Projektkoordinator bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) gebracht, einem unheimlich interessanten und herausfordernden Job, gerade die Entwicklungsarbeit in den GUS Staaten erfordert viel Geduld. Aber genau solche Leute braucht die Welt.

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Ach ja, da war ja noch was, der VERKEHR!

Zugegeben, der Verkehr vor der Stadt, nach Moskau rein ist der Horror, 2-3 Stunden Stop and Go, wenn man kein Motorrad fährt. :-)

Der Verkehr in der Stadt ist harmlos, natürlich hat eine 12 000 000 Stadt mehr Autos, mehr Fahrspuren und größere Kreuzungen, ja und? Unser Navi hat uns mitten hinein geführt und es hat sogar Spaß gemacht. An den Märchen von einer extra Fahrspur für Superreiche ist auch nichts dran. Es gibt eine Fahrspur, die ausschließlich Bussen vorbehalten ist, Bussen, ungeduldigen Russen und deutschen Motorrädern.

Um dem noch einen drauf zu setzen bringt uns Udo auf eine vortreffliche Idee: MOSKAU BY BIKE, nein Du verstehst richtig, nicht Motorrad, sondern Fahrrad! Udo ist passionierter Fahrradfahrer und hat es geschafft, dass wir unsere Maschinen gegen zwei Drahtesel eintauschen. Die beste Idee des Tages! Sightseeing by Bike ist die beste Kombination aus viel Sehen und wenig Laufen. Eigentlich die perfekte Reisegeschwindigkeit um alles richtig intensiv zu erleben und die Eindrücke aufzusaugen.

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Du denkst das war es schon?

– Bei weitem gefehlt, der Abend ist noch jung. Boys night out! Leider können wir Valentina nicht davon überzeugen, mit uns die Stadt unsicher zu machen, aber mit Udo und seinem Kumpel sind wir auch so in bester Gesellschaft. Zufällig fällt das Datum auf das Championsleague Finale und bei diesem unglaublichen Spiel schwenken sogar Udos Blicke, ein erklärter Nicht-Fussball-Fan von den unzähligen, mit den Hüften schwingenden, grazilen Damen auf der Tanzfläche, hinüber zur Mattscheibe und der an Hochspannung nicht zur überbietenden Verlängerung.

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Nach dem nervenaufreibenden Abend bedarf es einem kleinen Abendspaziergang im Park, der natürlich mit ein paar Bier und Snacks ausklingt. Für die Heimfahrt entscheiden wir uns für die Straßenbahn, doch plötzlich geht es nicht mehr weiter, der Fahrer öffnet die Türen und ruft etwas in unverständlichem Russisch in den Waggon. Udo übersetzt, ein unmöglich geparkter PKW versperrt uns die Heimreise. Da ruft ein pragmatisch veranlagter Mitfahrer: Dann tragen wir den Wagen einfach weg! – GESAGT, GETAN! Also steigen wir mit ein paar weiteren kräftigen Männern aus, positionieren uns um das besagte Fahrzeug und heben es mit 3 wuchtigen Zügen bei Seite. Beim Wiedereinsteigen in die Straßenbahn streckt uns der Initiator die Pranke zu einem HIGH FIVE hin und ruft:

WELCOME IN RUSSIA!

 

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