Die Anleitung zum Motorrad Camping

Motorrad Camping

Vor unserer Reise hatte ich richtig Lust auf Motorrad Camping! Also eigentlich hatte ich Lust auf die Idee des idyllischen Campens bei perfektem Wetter an einem schönen Seeufer, wo mich freundliche Waschbären besuchen. Die Bedingungen würden aber nicht immer perfekt sein und davor hatte ich gehörigen Respekt!

Die Angst vor dem Motorrad Camping

Denn ich hatte kaum Campingerfahrung: Was muss ich mitnehmen? Wie finde ich einen guten Zeltplatz? Darf ich wildcampen? Brauch ich Karate um mich selbst zu verteidigen? Wo finde ich zahme Waschbären?

Außerdem plagten mich Alpträume:

Im besten Fall war meine komplette Ausrüstung nass, würde nicht mehr trocknen und mein Schlafsack stinkt nach nassem Hund, Ich sitze gebückt in meinem undichten Zelt, das von Windböen auf den Boden gedrückt wird. Die Gewissheit knallt wie der Donner: Ich habe versagt – doch nur ein Stadtkind!

Mittlerweile sind wir wieder zurück, ich habe öfter gecampt als ich mich erinnern kann: Bei den fantastischsten Bedingungen am Strand mit Sonnenuntergang, aber auch während des Monsuns, bei stundenlangem Regen, ohne Pause.

Falls dich ähnliche Horrorvisionen plagen oder du einfach nur auf der Suche nach ein paar Tipps bist, hier findest du alles zum Thema Motorrad Camping.

Motorrad Camping: Die Ausrüstung

Unser Blog richtet sich an Fern- und Weltreisende, nach diesen Maßstäben habe ich auch das ideale Campingequipment ausgewählt. Es muss leicht, klein und qualitativ hochwertig sein. Wie überall kannst du hier auch schnell ein Vermögen loswerden, deswegen habe ich, wo möglich, günstige Alternativen aufgeführt.

Zelt

motorrad camping in sumatra

Alle Infos zum passenden Motorrad Zelt >>>

Kurz zusammengefasst: Ein Motorrad Zelt sollte klein und leicht sein, über Apsiden verfügen um stinkende Stiefel nach außen zu verbannen und es sollte ein Kuppelzelt sein, das im besten Fall freisteht.

Wer auf jeden Kubikmilimeter Packmaß achtet, dem empfehle ich das MSR Hubba NX; wir hatten das Wechsel Forum 42 dabei und waren sehr zufrieden mit der Qualität – allerdings ist es schwer und groß.   

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Schlafsack

Bei Schlafsäcken herrscht seit hunderten Jahren ein Glaubenskrieg zwischen Daune und Kunstfaser. Daunenbefürworter schwören auf das Gewicht und die überragenden Wärmeeigenschaften. Kunstfaseranhänger verweisen darauf, dass Daunen bei Feuchtigkeit verklumpen und deswegen stets gut getrocknet werden müssen. Wir Motorradreisenden können trockene Bedingungen nicht immer garantieren.  Daher bevorzuge ich Kunstfaser.

Der Schlafsack sollte ein 3 Saison Schlafsack sein, denn auf einer längeren Reise wird es meist warm sein. Die Wohlfühltemperatur sollte bei +10°C liegen um nicht zu schwitzen wie ein Eisbär in einer finnischen Sauna. Wenn es kälter wird, kannst du dir mit einem Innenschlafsack leicht Abhilfe verschaffen.

Wir sind mit dem Carinthia Lite 850 unterwegs gewesen. Er ist top und bequem, ich wünschte er wäre kleiner und leichter, deswegen habe ich online recherchiert aber leider keine bessere Alternative gefunden. Wenn du eine kennst, ab damit in die Kommentare.

Innenschlafsack

Ich verlasse mein Haus nicht mehr ohne Innenschlafsack! Innenschlafsäcke sind vielseitiger einsetzbar als David Alaba. Wenn es heiß ist, ersetzt er deinen richtigen Schlafsack, wenn es kalt ist kannst du ihn in den Schlafsack anziehen und er erhöht die Wärmeleistung; ich habe ihn als Leintuch für meine Isomatte genutzt, in ekligen Hotels / Hostels, dient er mir als Schutz vor der Bettwäsche und deren Bewohner. Dieser hier ist sogar mit einem Insektenschutzmittel imprägniert. Und er ist aus Seide und gibt dir somit das 1001 Nacht Feeling – Er ist einfach die Eierlegende Wollmilchsau! Doch leider etwas teuer. 

Isomatte

Mein bester Campingfreund war meine Isomatte. Die Therm-A-Rest bläst sich selbst auf (braucht allerdings ein wenig Nachhilfe), Isoliert fantastisch und hält dein Gewicht viel besser als eine normale Luftmatratze. Ich schlafe auf ihr besser als auf vielen richtigen Matratzen.

Hängematte

Motorrad Camping Hängematte

Mein Reisepartner Fou (der Motorrad Camping besonders liebt), bemängelte oft den Komfort, der sich im Fehlen gemütlicher Sitzmöglichkeiten manifestiert. Damit hat er sicherlich recht, denn nur im Zelt, oder vor dem Zelt zu hocken ist nicht sonderlich gemütlich. Abhilfe schafft eine Hängematte! Man kann in ihr sitzen, liegen, lümmeln und sie sicherlich auch für weitere Dinge zweckentfremden.

Würde ich mir heute eine Hängematte besorgen, dann wäre es diese hier

Stirnlampe

Stirnlampen sind praktischer als klassische Taschenlampen, denn du hast die Hände frei um dein Zelt aufzubauen, zu kochen oder um Wölfe zu vertreiben. Diese hier ist qualitativ top und kostet unter 20€.

Kocher

Wer wirklich weit reist ist mit einem Benzinkocher gut bedient, denn um Brennstoff musst du dir keine Sorgen machen. Gaskocher finde ich zwar besser, denn sie sind leichter, wartungsfrei und leiser. Die richtigen Kartuschen zu finden ist hingegen oft ein unmögliches Unterfangen.

Wer hingegen für 4 – 8 Wochen reist, dem würde ich einen Gaskocher mit großer Kartusche empfehlen. Multikocher, wie der berühmte Omni Fuel, sind zwar qualitativ hochwertig, aber ich würde mir das Geld sparen, denn am Ende wird sowieso Benzin verwendet um zu kochen.

Kochgeschirr

Es sollte leicht sein, wenig Platz wegnehmen und anbrennen sollte auch nichts. Dieses hier sieht fein aus.

Wasserentkeimer

Praktisch, wenn du länger in der Wildnis unterwegs bist oder dem Leitungswasser nicht traust. Die SteriPens nutzen konzentriertes UV Licht um 99,9% aller Keime abzutöten. Wichtig ist, dass keine Schwermetalle, Gifte oder Hormone herausgefiltert werden können. Ist das Gewässer deiner Wahl vorher durch eine Müllkippe gelaufen hilft auch kein SteriPen mehr.

Den SteriPen Ultra halte ich für die beste Alternative. 

Gepäck

Die gesamten Campingutensilien hatte ich in einem wasserdichten Packsack. Empfehlenswert sind die Legenden von Ortlieb.

Motorrad Camping Tipps

motorrad camping am strand

Sicheres Motorrad Camp finden

Ein idealer Ort zum Motorrad Camping sollte nicht in einer Senke liegen, wenn es regnet wird sich hier das Wasser sammeln. Außerdem ist es gut ein geschütztes Plätzchen zu finden, um dem Wind zu entgehen. Vorsicht ist vor Bäumen geboten: Trägt der Baum tote Äste?  Dann suche dir lieber ein anderen Ort. Wer am Strand campt sollte Ebbe und Flut beachten (ich spreche hier aus Erfahrung).

Wo geht die Sonne auf? Falls du ausschlafen möchtest solltest du dein Zelt so aufstellen, dass nicht gleich nach Sonnenaufgang die Sonne darauf knallt. In diesem Fall sollten dir Bäume in östlicher Richtung  Schatten spenden. Ein kleiner Kompass kann dir bei der Bestimmung der Himmelsrichtung helfen. Nachdem aufstehen kannst du dein Zelt dann leicht in die Sonne stellen, denn vor dem Einpacken sollte es komplett abtrocknen. 

Wenn es kalt wird

Da die Camping Ausrüstung von Motorradreisenden immer ein Kompromiss sein wird, kann es schon mal frisch werden. Lege hier nicht Klamotten auf deinen Schlafsack! Das komprimiert die Fasern und verschlechtert die Isolation und Wärmespeicherähigkeit des Füllmaterials. Benutze stattdessen einen Innenschlafsack und trage mehrere Schichten während des Schlafens (Omas berühmtes Zwiebelsystem).

Moskitos

Die kleinen Plagegeister haben die Macht das Motorrad Camping Vergnügen tatsächlich zu Nichte zu machen. Selbstverständlich hat dein Zelt und deine Hängematte ein Moskitonetz und sind somit sichere Burgen vor Moskitos. Mittel gegen Moskitos gibt es vor Ort und das lokale Zeug funktioniert sehr gut gegen lokale Mücken. Die Inhaltsstoffe sind wohl nicht besonders gesund. Alternativ verschafft ein Lagerfeuer oder Moskitokohlen ebenfalls Abhilfe.

Special: Wild Campen mit Motorrad

wildes motorrad camping

Wildcampen ist in den meisten westlichen Ländern peinlich streng reguliert, nur die Skandinavier sehen es etwas cooler.

Außerhalb von Europa wird über solchen Regulierungswahn nur müde gelächelt. Trotzdem gilt es nicht einfach sein Zelt aufzustellen, sondern den berühmten gesunden Menschenverstand anzustrengen.

Entweder du versteckst dich so, dass dich nach Möglichkeit niemand entdeckt. Oft reicht es schon einen Feldweg abseits zu nehmen und ein paar hundert Meter in die Prärie zu fahren. Baue dein Zelt erst in der Abenddämmerung auf und verlasse deinen Zeltplatz nicht zu spät am morgen. 

Für mich ist diese Lösung nicht die gemütlichste Option, aber um eine Nacht rumzubringen funktioniert sie super. 

Eine andere Möglichkeit ist es Landbesitzer vor Ort nach Erlaubnis zu fragen. Ich habe dutzende Male in Hinterhöfen von Restaurants oder Bauernhöfen gecampt. Du bekommst schnell ein Gefühl, ob dein potentieller Gastgeber vertrauenswürdig ist oder nicht. Außerhalb von westlichen Ländern habe ich noch kein „Nein“ gehört. Im Gegenteil! Du hast gute Chancen auf ein Abendessen und einen neuen Freund. 

Sicherheit beim Wildcampen

Vertraue auf deine Intuition! Wenn du Wildcampen möchtest, dann solltest du dir einen Ort suchen, der nicht Mord und Totschlag ausstrahlt. Wildcampen in den Slums von Johannesburg oder auf einer Autobahnraststätte voller Prostituierten und Drogendealer? Eher nicht. Beim freundlichen Bauer, der schon beim vorbei fahren gewunken hat? Warum nicht! In der russischen Tundra – weit und breit keine Menschenseele? Klar!

Draußen in der Natur, wo das Leben noch in Ordnung ist, wird dir beim Motorrad Camping niemand in die Quere kommen.

Toilette & Sauberkeit

Es zeugt von Respekt biologische Hinterlassenschaften anständig zu begraben und seinen Müll wieder mitzunehmen.

Was sind deine Motorrad Camping Tipps?

 

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  1. Martin

    Bin über MT hier gelandet.

    Habt ihr das wirklich alles auf zwei Motorrädern dabei gehabt? Beziehungsweise entsprechende Ausrüstungsgegenstände anderer Hersteller/Anbieter? Ist das nicht… Too much?

    Ich habe es erfolgreich geschafft für eine 4-Tages-Tour mit insektenfreier Übernachtung samt fließend warmen und kalten Wasserversorgung in einer Pension mich auf einen Rucksack zu minimieren. Weichei-Stadtkind statt Camping also? Ja, irgendwie schon. Camping dann doch lieber nicht wenn 4 Tage Regen angesagt sind und man aber unbedingt dort seinen Urlaub genommen hat. Als »Regenmagnet« sattelt man dann doch gerne mal um. Zumal die Kosten für (legales) Camping in Deutschland, Schweiz, Österreich und Italien häufig nur wenige Euro vom »Luxus« einer Unterkunft mit festen Wänden und Halbpension entfernt sind. :D

    • Stefan

      Hi Martin,
      schön, dass du zu uns gefunden hast :)

      Da hast du sicherlich recht, hier in Mitteleuropa ist das Camping vom finanziellen Aspekt nicht besonders interessant.

      Wenn aber auf der Tour aus dem Gardasee der Baikalsee wird, kommst du um das Equipment nicht wirklich herum :)

      Viele Grüße
      Stefan

  2. Klaus

    Hallo

    Wunderschön beschrieben.
    ich kann Dr auch nur zustimmen, runter mit dem Gewicht und Gepäck was man mitnimmt.

    Ich liebe Camping und in Ländern wie Mongolei oder Kasachstan usw. ist es einfach großartig, in der Natur zu sein.

    Deine Tips sind sehr gut und es wäre schön, wenn das mehr Reisende lesen bevor sie losfahren!!
    Man trifft unterwegs oft so schwer beladene Motorräder, das man denkt die machen auf Transportgewerbe :-)

    Klaus

  3. Dan

    Hey, kann als Schlafsackkompromiss den “ Grüezi bag Mumienschlafsack Biopod Zero, Tango Red, Almwollschlafsack für Erwaschene, 215 x 78 x 50 cm https://www.amazon.de/dp/B01AJIC1EU/ref=cm_sw_r_cp_api_GGtOzbDY3GZMP “ sehr empfehlen! Ist weder Daune noch Kunstfaser.. es habdelt sich um Wolle und ich finde es genial. War damit bereits in Schweden/Norwegen für 2 Wochen (und ein paar Wochenendtrips) und hatte Temperaturen von 0-15 Grad Nachts und habe nicht gefroren.
    Packmaß is super Klein und Gewicht bei nur einem Kilo.
    Allerdings nicht für Leute mit schweren Knochen ;-)
    Lg Dan


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