REISEN NACH KIRGISTAN – WARUM MACHT DAS NIEMAND?! TEIL 2: Song Kol und Zentralkirgistan

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Anschnallen ist angesagt! Während die Region um Bishkek und Issyk Kol infrastrukturell sehr gut ausgebaut ist (für kirgisische Verhältnisse), so erwartet Dich spätestens bei der zweiten großen Attraktion ein wahres Offroad Vergnügen! Zum Lesen diesen Artikels empfehle ich Dir Endurostiefel und Schutzkleidung

Etappe 1 Naryn zum Song Kul

Song Kul ist ein weiterer See und liegt aber noch um einiges höher als sein großer Bruder Issyk Kol. Auf 3016m erstreckt sich eine Hochebene, die im kurzen Sommer von Hirten als Weidefläche genutzt wird.

Spektakulärer als der See und die Hochebene selbst ist die Anfahrt. Wir fuhren den Weg zwischen Naryn und Kazermann (Abbiegung bei Ak-Tal) – und es ist fantastisch – wenn man Offroad mag. Die Anfahrt erfolg über 50 ungeteerte, wilde Kilometer. Erst durch ein malerisches Tal, um sich dann in 33 Serpentinen den Berg hinaufzuschlängeln.

Achtung, Kühe können hinter jeder Kurve lauern, und die Rindviehcher sind tatsächlich so stur, wie man es ihnen nachsagt

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Wir kamen schließlich am Song Kul an und waren ziemlich erschöpft. Der ursprüngliche Camping Plan wurde durch 6 Grad Außentemperatur und einem Hagelschauer jäh zur Seite gelegt. Glücklicherweise bieten Hirten die Möglichkeit in traditionellen Yurts zu übernachten. Leider waren die nächsten Yurts, die wir erreichen konnten,  für Touristen ausgelegt. Allerdings waren wir so froh über den angebotenen Tee und die kleinen Snacks, dass wir  uns überlegten, dort zu bleiben. Nach dem schlechten Wetter spielten wir noch eine Runde Volleyball (interessante Abwandlung mit „Faulem Ei“ Elementen) und hatten so viel Spaß mit den Alibi-Hirten, dass wir uns entschieden, tatsächlich zu bleiben. Wenn man sich gemeinsam den Plastikball so um die Ohren feuert, kann man nicht einfach gehen!

Als ich nachts rausging um die (bitte Superlativ deiner Wahl einsetzen) Sterne zu bewundern war ich sehr froh, dass wir uns für eine Yurt entschieden haben. Es war wirklich verdammt kalt. Und wir sind auf Motorrad Weltreise, nicht auf einer Mount Everest Expedition

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Etappe 2 Song Kul – in die Pampa

Am nächsten Tag fuhren wir die wunderschöne Piste wieder runter und überlegten, wie wir am besten nach Kazarman kommen würden. Es gibt einen direkten Weg (mit Pass), und einen längeren Weg über Baetov (ebenfalls mit Pass), der auch von Bussen genutzt wird. Da wir relativ früh dran sind mit unserer Reise (besser ist es im Juli und August) und uns einige Locals darauf hingewiesen haben, dass der direkte Weg in schlimmsten Fall noch vereist ist, fuhren wir den Umweg.

Bis Baetov war die Straße in passablen Zustand, danach war es ein Kiesweg. Die Region ist nicht bekannt für Regenfälle und so wurde es eine sehr staubige Angelegenheit. Die Umgebung war allerdings wieder absolut umwerfend. Zwischenzeitlich dachte ich mir, wir haben eine Abkürzung auf den Mond gefunden. Wir vertagten unser Ziel Kazarmann und suchten nach einer Möglichkeit unterzukommen, vor allem um zu duschen. Irgendwo im Nirgendwo nutzte Fou eine Grundschule als Tourismusbüro und akquirierte eine Lehrerin, die verrückt genug war uns aufzunehmen. Die gute Dame nahm uns für 7€ pro Person inkl. Vollpension (ich meine die Art von Pension, wo der Wirt dir einen Trichter in den Rachen steckt) auf und wir konnten vor allem Ihre Dusche benutzen. Das Leben ist einfach besser mit Dusche.

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Etappe 3 – Pampa nach Jalal Abad

Wir verließen die gute Dame und ihr vollwertiges Frühstücksbuffet wohl übergenährt und setzten uns auf unsere Bikes. Eigentlich hätten wir nach diesem „Frühstück“ wohl die Federung nach justieren müssen, aber wir wussten noch nicht was auf uns zukommt.

Der Weg nach Kazermann zwang uns über den Ak-Moinak-Pass. Aus Kies wurde Sand und Lehm, aber es war fantastisch. Einmal den Pass bezwungen bot er fantastische Aussichten auf ein Tal, dass sich wie in Wellen in den Horizont ergießt.

Kleiner Einschub:

Falls Du nach Kirgistan reist: Nimm dir bitte mehr Zeit. Wir müssen zu einem bestimmten Zeitpunkt an der iranischen Grenze sein und daher konnten wir nicht länger bleiben. Aber ungefähr an jedem Punkt den ich beschrieben habe gibt es unzählige Wanderwege, genug Hirten, die dich in Ihren Yurts unterkommen lassen und Campen ist auch kein Problem.

Angekommen in Kazarman entschieden wir uns recht schnell weiter zufahren. Ein Trip nach Kirgistan ist nicht wirklich wegen den Städten reisenswert. Es war erst Mittag und die Straße nach Jalal Abad sollte angeblich sogar eine Straße sein.

Wir fuhren los und fanden alles außer einer Straße.  Aber wenn interessiert’s? Es ist eben ein riesiger Abenteuerspielplatz! Wir fuhren einen weiteren Pass hinauf. Fantastische Aussichten und niemand dort -bis auf einen Landrover mit Belgiern. Die ursprüngliche Besatzung bestand aus einem Pärchen, die nun mit einem eingeflogenem Freund inkl. Fahrrad, Kirgistan unsicher machten. Das Pärchen hat sich ebenfalls ein Fahrrad ausgeliehen und so radeln jetzt immer 2 vor dem Landrover her, der langsam hinterher tuckert. Der Kerl meinte, es sei Klasse, weil man während der Fahrt ein Buch lesen könnte. Als wir uns über den Weg unterhielten waren wir alle recht froh, dass wir bereits auf 2.600m Höhe war. Vorallem die Radfahrer waren froh. Der Pass sollte noch bis auf 3300m hoch gehen.

Als wir weiter fuhren und unsere neuen radelnden Landrover Freunde hinter uns ließen machten wir eine fantastische Enteckung (Im Motorrad Sinn). Die Strecke ging noch einmal in ein Tal hinunter und der vermeintliche Pass begann erst danach. Und mit Tal meine ich 1200m. Auf dem Fahrrad muss das wirklich fies sein.

Auf dem Motorrad: überragend!

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Wir nahmen es also mit dem Pass auf und weder marode Brücken, überspülte oder unterspülte Wege konnten uns aufhalten. Oben angekommen fragte ich mich nicht nur warum eigentlich niemand nach Krigistan reist, sondern auch warum hier weder Game of Thrones, noch Herr der Ringe gedreht wurde? Wer recherchiert denn bitte die Drehorte?!?