Shiraz: Dancing Queens auf dem Schlachtfeld

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Hallo mein Name ist Stefan, 28 und ich mag keine Sehenswürdigkeiten. So jetzt ist es raus. Ehrlich gesagt: meistens langweilen mich Sehenswürdigkeiten zu Tode. Ich reise aus anderen Gründen, z.B. um Freunde zu treffen, die ich noch nicht kenne, oder um mich in der Natur zu verlieren. Sehenswürdigkeiten werden mitgenommen, aber in den seltensten Fällen stimulieren sie mich.

2500 Jahre vor unserer Zeit

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Diese Einleitung gibt es natürlich nicht ohne Grund. Der Sight-Hater-No. 1 hat nämlich nach Machu Picchu die zweite Sehenswürdigkeit entdeckt, die ihn umgehauen hat. PERSEPOLIS! Persepolis war eine Stadt die um 500 v. Chr. errichtet worden ist und 200 Jahre später von Alexander dem Großen größtenteils bis auf die Grundmauern niedergebrannt worden ist. -Warum Alexander?! Das was noch übrig ist ist mehr als nur überwältigend. Ehrlich gesagt fehlen mir die Worte und selbst die Bilder geben es nicht wirklich wieder. Ich bin in Esslingen geboren. Eine Stadt, stolz auf ihren mittelalterlichen Kern und stolz auf das älteste Fachwerkhaus in Deutschland. Es wurde 1261 gebaut. Ziemlich alt, aber ein Neubau im Vergleich zu Persepolis. Reisen öffnet die Augen!
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Mehr iranische Gastfreundschaft? Als ich gedankenverloren um die verschiedenen Türme schlenderte, spricht mich eine der Wachen an. Woher ich komme und das übliche. Es endet darin, dass er mir neue Ausgrabungen von einem Wasserkanal zeigt, der kürzlich gefunden worden ist und mich zum Tee einlädt. Wir sind jetzt auf Whatsapp verbunden und so sicher wie die Sonne morgens aufgeht habe ich ein neues Bild der Ruinen auf dem Handy.

Shiraz: geht nicht, gibts nicht!

Wir lassen Persepolis hinter uns und machen uns auf nach Shiraz. Wir haben gelernt das Shirazis angeblich besonders faul sind. Die meisten Leute die das sagten meinten aber auch, Shiraz sei die schönste Stadt im Iran. Klassischer Fall von Neid? Die Shiraz Etappe erstreckt sich über nicht einmal 100km, die machen wir im Handumdrehen und kommen gegen 18 Uhr bei unserem Host Saeed an. Saeed hat keine Garage, aber Ideenreichtum und kompliziert ist er auch nicht gerade. Die Motorräder kommen einfach in die Wohnung.
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Wir erkunden die Stadt zuerst auf eigene Faust. Für die 8km ins Zentrum brauchen wir bestimmt eine halbe Stunde. Der Verkehr ist extrem dicht und extrem laut. Die Stadt ist bis zum Bersten gefüllt. Entnervt essen wir etwas und fahren wieder zurück. Das war kein Spass.
Die nächsten Tage werden besser. Gemeinsam mit Saeed  erkunden wir die Perlen der Stadt: die wunderschöne Nasir al-Mulk Moschee mit den bunten Fenstern, schlendern über den hunderte Jahre alten Vakil Bazar und erklimmen einen nahegelgenen Berg, der eine interessante Aussicht bietet. Saeed hat die eine oder andere Story für uns auf Lager. Von denen gibt es auch viele, schließlich ist Shiraz über 4000 Jahre alt (keine „0“ zu viel) Unser persönliches Shiraz Highlight sollte aber noch folgen.
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Shoppen für die Omis

Abends gehen wir gemeinsam mit 2 Freundinnen von Saeed shoppen. Auf dem Einkaufszettel stehen knapp 100 Bananen, 100 Blumen und ein paar dutzend Liter Saft. Die Geschenke sind für ein lokales Frauenaltersheim gedacht. Die lokale Couchsurfing Community hat ein Treffen eben dort organisiert. Ziel ist es die Damen zu besuchen und aufzumuntern. Vielleicht warst Du schon mal in einem Altersheim in Deutschland. Ich würde die Stimmung zumeist als „bedrückt“ bezeichnen. Ähnlich habe ich mir die Veranstaltung auch vorgestellt. Weit gefehlt!  Es wurde eine Band organisiert, die Geschenke verteilt und dann wurde getanzt. Zugegeben, nicht alle waren in der Lage zu tanzen, aber die, die konnten und die, die wollten schwangen das Tanzbein als wäre es 1920. Es war überwältigend und die Freude in des Gesichtern der Damen zu sehen war einfach toll. Es kostet nicht viel anderen Menschen eine Freude zu bereiten, trotzdem machen wir es viel zu selten, obwohl man sich danach selbst so gut fühlt.
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Shiraz ist doch ein Wein?

Im Iran herrscht  bekannterweise Alkoholverbot. Das heißt es darf weder verkauft, besessen noch getrunken werden. Aber wo Verbote sind, finden Menschen meist auch kreative Lösungen sie zu umgehen. Vorurteilstreu hatte die  Band natürlich Alkohol am Start. Selbstgebrannten Wein gemischt mit selbstgebranntem Vodka und angeblich super lecker. Ich habe jahrelang in der Gastronomie gejobbt und das eine oder andere probiert, aber noch nie in meinem Leben so etwas giftiges getrunken. Ich konnte förmlich spüren, wie sich meine Magenwände auflösen. 2 Schlücke und dann siegte mein Selbsterhaltungstrieb. Der Drummer kümmerte sich nach seinem Glas um meins. Ich wünsche ihm alles Gute, weil das kann auf Dauer niemals gut gehen.
Mittlerweile hat sich der Iran in das Highlight der Reise verwandelt. Es ist beinahe egal wohin wir gehen, wir werden überall willkommen geheißen, als ob Lukas Podolski zurück nach Köln kommt. Wir haben drei Viertel von unserer Iran Route hinter uns. Aber eins ist sicher: Wir kommen wieder!