Sumatra, wo Affen Geiseln nehmen

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8.00 Uhr morgens in Kuala Lumpur, mein Motorrad ist gepackt, ich habe den Helm auf, Handschuhe an, der Schlüssel steckt und ich bin bereit endlich abzufahren. Ich will so schnell wie möglich weg, denn hier an diesem Ort trennen sich die Wege von Fou und mir. Bis nach Kuala Lumpur haben wir es gemeinsam geschafft: 9 Monate, 18 Länder, 30.000km. Von nun an heißt es „allein, allein..“
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Kuala Lumpur ist zum Glück eine Langschläferin. Auf den Straßen ist kaum etwas los und ich kann die Millionen Metropole leicht und schnell, bei angenehmen Temperaturen verlassen. Mein Weg führt mich zurück nach Penang, denn dort wohnt ein Magier.

Mr Lim macht es möglich

Für Überlandreisende gibt es bestimmte „Bottlenecks“, Stellen an denen jeder durch muss. Eine davon ist das Büro von Mr Lim. Denn möchtest du jemals Dein Motorrad von Malaysia nach Indonesien bringen wollen, kann dir nur Mr. Lim helfen. So kommt es das ich Matt kennenlerne, denn Matt hat auch von Mr Lim und seinen Fähigkeiten gehört.
Wir fahren mit dem Magier zum Zoll. Dort werden die Carnets gestempelt und anschließend geht es weiter an den Hafen. Das Onion Boat (es darf übrigens keine Zwiebeln mehr transportieren aus unerklärlichen Gründen) ist gerade erst eingelaufen. Es ist ein alter klappriger Kutter, der normalerweise Bier transportiert, wenn gerade keine Motorradreisenden unterwegs sind.
Das Entladen zieht sich ewig hin und da ich meinen Flug nicht verpassen will, muss ich gehen bevor die Bikes an Bord gehen. Vielleicht ist es besser so: schon bei diesen Bildern habe ich einen Herzinfarkt bekommen. Matt hat sich zum Glück um das „ordnungsgemäße Verladen“ gekümmert.
 
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Hallo Indonesien

Meine Erwartungen an Indonesien: laut, dreckig, schlechte Straßen, schlimmer Verkehr: INDonesIEN. Andere Motorradreisende werfen auf ihren Blogs nur so mit Horrorstorys um sich, daher auch das schlechte Bild.
Mein erster Stop ist Medan:
„it [Medan] frequently pops up in ‚What’s the worst place you’ve ever visited?‘ conversations.“
schreibt der Lonely Planet als Einleitung. Über 2Mio Einwohner schrecken mich von Beginn an ab und ich gebe Medan keine Chance. Ich habe keine Lust mehr auf große Städte, vor allem auf asiatische. Da das Motorrad erst in 5 Tagen ankommt flüchte ich direkt nach Bukit Lawang in den Gunung Leuser Nationalpark. Eine der besten Entscheidungen auf dieser Reise!

Bukit Lawang & der Gunung Leuser Nationalpark

Es gefällt mir von Beginn an! Bukit Lawang schmiegt sich an einen Fluss und besteht hauptsächlich aus Guesthouses. Klar ist es touristisch, aber auf angenehme Weise. Es verstrahlt Hippie Flair und es ist leicht hier zu versacken. Mir passiert das diesmal nicht, denn ich habe eine Mission: im angrenzenden Gunung Leuser Nationalpark verstecken sich auf 9.000km² viele bedrohte Tierarten wie Orang Utans, Sumatra Tiger und Nashörner.
Ich buche direkt einen 2 Tagestrek (1 -7 Tage sind möglich) und freue mich darauf wie ein kleines Kind. Als es losgeht lerne ich die anderen Teilnehmer kennen. 5 Jungs aus Frankreich und England.
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Mental hatte ich mich auf einen leichten Spaziergang gefasst gemacht, lockeres anschwitzen – von wegen! Der Nationalpark liegt um ein Gebirge herum! Auf und ab, hoch und runter auf schwerem Terrain, festhalten an Wurzeln und abseilen an Lianen.Es ist zwar nicht besonders heiß, dafür steht die Luftfeuchtigkeit bei gefühlten 120%.
Wir sehen praktisch ständig Affen vor allem Thomas Leaf und Makaken. Doch auch der geheime König ist gleich mehrfach anzutreffen. Der, wörtlich übersetzte, „Waldmensch“, der Orang Utan.
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Bukit Lawang
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Die Nacht verbringen wir 50m von einem kleinen Wasserfall entfernt, der auch als Dusche dient. Das Camp hat „Flüchtlingslager“ Charakter, aber für Luxus ist auch keiner hier. Unschön ist, dass es zu wenig Schlafsäcke gibt und so einige Teilnehmer die Nacht bibbernd verbringen. Du würdest nicht glauben wie kalt es geworden ist!
Der nächste Tag beginnt wie der letzte aufgehört hat: höllische Anstrengung und zur Belohnung Affen knipsen. Die Orang Utans sind „halb-wild“. Viele wurden ausgewildert als es verboten wurde sie als Haustiere zu halten. Daher wissen die meisten Affen, dass Tourguides Bananen oder andere Leckereien mit sich führen. Viele interessiert es nicht wirklich, andere hingegen werden aggressiv und beissen anscheinend auch. Besonders die legendäre Mina. Wir treffen sie nicht nur, sondern müssen sogar vor ihr flüchten – die Früchte sind nicht zur vollsten Zufriedenheit der Orang-Utan Dame. Kurz vor Ende des Treks taucht aus dem nichts noch ein weiterer Orang Utan auf und nimmt einen Teilnehmer als Geisel! Sie umfasst sein Handgelenk und läuft mit ihm den Pfad hinunter bis der Tourguide sie schließlich mit einer Ananas ablenken kann. Hier der Videobeweis:

Fazit

Bisher gefällt mir Indonesien! Ich bin dem Charme Bukit Lawangs erlegen und der Trek im Gunung Leuser Nationalpark ist außerdem ein fantastisches Erlebnis und eine riesen Empfehlung! Jetzt muss nur noch das Onion Boat heil über die Straße von Melakka kommen und dann kann das Abenteuer Sumatra richtig losgehen!

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  1. Esther

    Im 2010 dort gewesen auch mit dem Motorrad. Sehr gute Erinnerungen, schade das die Orang Utans auf Touristen gleich Essen (Ananas, Banane und und getrimmt werden. Wir haben sie auch ohne das sehr nah in der Natur gesehen.
    Gute Reise weiterhin. Lake Toba (TK tuk) und Lake maninjau sind toll überhaupt Indonesien. Hat zig Motorradclubs wurden immer wieder Eingeladen zum Essen Übernachtung und vieles mehr

  2. Stefan

    Hallo Esther,

    ja das ist wirklich schade. Ich denke da viele Affen ausgewildert sind wissen die natürlich auch ganz genau wer die Leckereien in den Dschungel bringt und sind viel zu intelligent um sich das entgehen zu lassen. Wir haben sehr viele Jungtiere gesehen; hoffentlich wird die neue Generation „wilder“.

    Danke für die Tipps, da freue ich mich schon drauf!
    Liebe Grüße
    Stefan


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