From Iran with LOVE!

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Zwischen Mashhad und Teheran liegen 883 km, Grund genug, um zwei Etappen daraus zu machen, gerade auch, weil wir uns nicht zu 100% auf das neue Antriebsritzel der Yamaha verlassen wollen. Unser Weg führt uns also in das beschauliche Städtchen Shahrud. 202 000 Einwohner, aber leider keiner davon auf Couchsurfing. Wir machen uns die neugierigen Blicke der hilfsbereiten Menschen zu Nutze und lassen uns von einem Mofafahrer den Weg zu einem Hotel zeigen. Die Konditionen sind annehmbar, ist ja nur für eine Nacht.

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Ramadan, schlechtes Timing im Iran, oder?!

Ohne Restaurant und WIFI müssen wir uns allerdings wieder in die Innenstadt begeben, gerade das Restaurant ist ein schweres Unterfangen in Zeiten des Fastenmonats Ramadan. Auf die Menschlichen Sinne ist dann aber doch verlass! Ganz nach dem Motto, „immer der Nase nach“, finden wir ein kleines Restaurant. Die Wirtin lässt uns sogar auf Grund unserer nicht vorhandenen persisch Kenntnisse in die Töpfe schauen um das passende Essen auszusuchen. Die erste Hürde ist also geschafft, mit vollen Mägen spazieren wir in eine Einkaufspassage um nach einem Internetcafe zu fragen. Für diese Auskunft ist doch kein Laden besser geeignet als einer, der Modems und PC Zubehör verkauft, oder?! Ok, die Wahrheit ist, dass wir den Laden mit der hübschesten Verkäuferin ausgesucht haben, aber wieder sollten uns unsere Sinne nicht enttäuschen. Wir werden dazu eingeladen auf der Couch Platz zu nehmen, um kostenlos das Internet des Shops zu nutzen. 5 Minuten später serviert man uns Eiscreme und Wasser. Nach 10 weiteren Minuten reichen uns unsere Gastgeber Nüsse und Früchte, was will man mehr?!

Mama hat ja eigentlich davor gewarnt bei Fremden ins Auto zu steigen…

Umso länger wir es uns auf der Couch bequem machen, desto mehr Freunde und Kollegen des Besitzers Kayvan scharen sich interessiert um uns. Nach einer Stunde haben wir eine Verabredung zum Abendessen und ich darf mich über einen gratis Haarschnitt freuen. Iranische Gastfreundschaft eben! Aber es kommt noch besser, nicht weniger als 3 Autos voller Freunde von Kayvan bescheren uns einen unvergesslichen Abend: Ausflug auf eine Pferderennbahn, Dinner in einem traditionellen Ambiente, abgerundet mit einer Runde Wasserpfeife und Sightseeing bis in die Morgenstunden. Am Ende meinten Kayvan und sein Freund Ali, dass sie uns eigentlich noch ein Abschiedsgeschenk machen wollten, da wir aber auf dem Motorrad vermutlich kein Platz dafür hätten haben sie sich schweren Herzens dagegen entschieden. Wir sind überwältigt!

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Teheran, das wahre Märchen aus 1001 Nacht

Keiner weiß genau wieviel Menschen aktuell in der Hauptstadt Irans leben, Schätzungen nach sollen es sogar bis zu 15 000 000 sein, für uns sind es definitiv zu viele. Nicht umsonst befindet sich der Iran in den Top 5 der Länder mit den meisten Verkehrstoten, keine Statistik, auf die man stolz sein könnte. Also ein Grund mehr besonders vorsichtig zu sein. Leider gar nicht so einfach mit 2 Motorrädern, die so viel Aufmerksamkeit erregen, wie 2 bunte Kanarienvögel in einem Taubenschwarm. Für die Menschen hier sind wir so außergewöhnlich, dass sie sogar während der Fahrt versuchen Fotos zu schießen und Videos zu drehen. Dabei treten die unglaublichsten Fahrmanöver zu Tage. Auch wenn es nicht böse gemeint ist übertreibt es ein Peugeot Fahrer mit seiner pinken Fotokamera und befördert einen von uns fast in den Graben als er uns einen Zettel mit seiner Nummer zustecken möchte. Das ist dann doch etwas zu viel des Guten. Ganz im Gegensatz zu dem kalten Wasser, welches uns ein Anwohner spendiert als wir auf unseren Host Abbas im Vorgarten warten.

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Abbas könnte man als typischen Iraner bezeichnen, der ein typisches iranisches Leben führt. Bei der Stadt angestellt, verheiratet, seine Frau erwartet ein Kind, 2 Zimmerwohnung, 125er Mofa, Peugeot 206, religiös. Im Prinzip unterscheidet sich sein Leben in keiner Weise zu unserem oder?! Na ja, so ganz durchschnittlich ist er vielleicht doch nicht. Abbas und seine Frau Zahra reisen für ihr Leben gern. Aus diesem Grund sind sie mit die aktivsten in der Couchsurfing Szene Teherans. Es vergeht kaum ein Tag ohne Gäste. Und wenn die beiden Gäste aufnehmen, dann nur „All inclusive“ und nur mit vollem Verwöhnprogramm. Als erstes sagt er zu uns: „Ihr habt jetzt eine Wohnung im Iran.“, und als zweites, bevor er am nächsten Tag zur Arbeit fährt:

Ich möchte, dass der Kühlschrank leer ist, bis ich wieder da bin.

Abbas betreut Bauprojekte in der ganzen Stadt, so kann er gleichzeitig arbeiten und uns, sowie die 2 Neuankömmlinge aus Polen, in der Stadt herumführen. Mateusz und Pawel haben glücklicherweise eine ganze Liste von Sehenswürdigkeiten erstellt, da ihnen nicht viel Zeit im Iran bleibt. Wir stellen uns gerne in die zweite Reihe und folgen den beiden ganz entspannt. Der arme Abbas ist schon bemitleidenswert, wir scheuchen ihn mehrmals quer durch die Stadt, über 2 Bazare und zu mehreren Moscheen und Palästen, am Ende lassen wir den Guten sogar in der Mittagshitze einen Berg besteigen und das alles ohne, dass er einen Schluck Wasser oder einen Krümel Nahrhaftes zu sich nehmen darf.

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Dream of Californication

Nicht nur, dass uns Abbas und Zahra jeden Wunsch von den Lippen ablesen, da sie schon so gut wie in jeder Ecke im Iran waren versorgen sie uns auch mit Reiseinfos und weiteren Hosts für unsere Tour. Wir machen uns also auf zum Kaspischen Meer, wer hat eigentlich behauptet, der Iran bestünde nur aus Wüste? Wir fahren durch faszinierende Schluchten, grüne Täler und überqueren atemberaubende Bergpässe. Die Straße ist ein Traum, jede Straße ist ein Traum im Iran, wenn bloß der Verkehr nicht wäre.
Am Kaspischen Meer erwartet uns das Paradies. Mohammad, aka Funman, betreibt mit seinen Freunden Mona und Ali ein gratis Hostel für Reisende. Die drei haben einen einzigartigen Ort geschaffen, um entspannt die Seele baumeln zu lassen, ja auch ohne das selbstgebraute Bier und das selbst angebaute G**s. Mona und Ali haben sich einen wahren Schatz zugelegt, gerade uns Deutsche versetzt der Anblick des super erhaltenen VW Busses ins Staunen und Schwärmen. Zum Glück brauchen wir sie für eine kleine Spritztour nicht lange zu überreden. Los geht’s richtung Meer!

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Rien ne va plus! Nichts geht mehr!

Das Risiko war immer präsent, auch wenn wir gehofft haben, wenigstens wieder zurück nach Teheran zu kommen. Aber das Ritzel Marke Eigenbau konnte leider nicht so lange ausharren. Ca. 50 km vor dem schützenden Schoß von Abbas und seiner Familie ist es wieder soweit. Smetana streikt! Uns kommt es so vor wie ein unangenehmes déjà-vu, leider hilft alles nichts, ein weiterer Transporter muss her.

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  1. Knut Briel

    Hallo Ihr zwei,
    Ihr müsst irgendwann auch die Kette der Yamaha erneuern, sonst zerstört sie das Ritzel immer wieder. Wenn erst einmal das Ritzel rund gefahren ist, dann ist auch die Kette fertig. Am besten wäre es, den ganzen Kit zu tauschen (Kette, Ritzel, Kettenrad). Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan, aber auf Dauer geht es nicht anders.
    Viel Glück auf Eurer weiteren Reise!


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