Bialowieza: 5 Gründe warum du den letzten echten Urwald Europas lieben wirst

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Bialowieza ist eine kleine Stadt im Osten Polens kurz vor der weißrussichen Grenze. An Bialowieza grenzt ein Wald der seinesgleichen sucht. Auf einer unbeschreibar großen Fläche wächst und gedeiht seit Jahrhunderten geschützter Wald. Im Inneren befindet sich das noch strenger bewahrte Schutzgebiet Orlowka. Orlowka ist so streng geschützt, dass es nur mit einem Führer betreten werden darf. Hier sind 5 Gründe, warum Bialowieza mindestens eine Reise wert ist:

1. Harmonie zwischen Mensch und Wald

Wäldern wird eine positive Wirkung nachgesagt, auch wenn es hierzu wenig Forschungsergebnisse gibt. Bekannt ist, dass sich vor allem die luftreinigende Wirkung und der Lärmfilter des Waldes direkt auf Blutdruck und Stresstoleranz auswirken.
Aus eigener Erfahrung kann ich das bestätigen. Nach wenigen Minuten im Wald fühle ich mich besser. In Bialowieza ist dieses Gefühl besonders ausgeprägt. Der Wald ist so riesig, dass Du in seinem Inneren keine Geräusche wahrnehmen kannst, die von Menschen erzeugt werden. Du hörst nichts außer Natur. Die kann allerdings auch sehr laut sein. In Bialowieza leben 9 von 10 europäischen Spechtarten.
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2. Wanderwege

Das Gebiet um Bialowieza bietet einige interessante Wanderwege, die teilweise auch mit dem Fahrrad befahren werden dürfen. Informationen darüber gibt es in der Touristeninformation vor Ort und hier.
Wir haben verschiedene Wege ausprobiert und sind einmal Parkrangern begegnet. Ansonsten haben wir keine Menschenseele getroffen. Auf den Trails gibt es verschiedene kleine Highlights wie Findlinge, alte Eisenbahnschienen, Fütterungsstationen für Wildtiere und gelegentlich Spuren von Waldbewohnern zu entdecken. Weiterhin gibt es besondere Bäume, wie den Imperator des Nordens oder den König von Nieznanowo  zu bestaunen. In den Abendstunden oder der Morgendämmerung hast du gute Chancen Wildtiere zu sehen.
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3. Grenzübergang

Zu Fuß kannst Du, solltest Du aber nicht, Polen verlassen. Um genau zu sein kannst Du Polen, die EU und sogar die Nato verlassen. Folge der Straße nach Grudki, fahre immer weiter und Du erreichst ein Waldgebiet von dem aus ein Trail zum Grenzübergang führt. An der Grenze befindet sich übrigens auch eine Notfutterstation für die freilebenden Wisente. Die Grenzstation wird wohl patroulliert, sicher ist jedoch, dass sie kameraüberwacht ist. Du bekommst ein mulmiges Gefühl – spannend ist es trotzdem.
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4. Wisente

Wisente sind europäische Bisons. Sie bevölkerten einst weite Teile Europas, wurden aber schon immer gejagt. Die Geschichte der Ausrottung der Wisente ist über 1.500 Jahre alt und geschafft hat es letztendlich ein Forstbeamter, der 1919 – kurz nach seiner Entlassung – das letzte freilebende Wisent erschoss. Allerdings hatte er Hilfe von den deutschen Besatzern, die während des ersten Weltkrieges das Gebiet um Bialowieza ausbeuteten und Jagd auf Wisente machten.
Seit 1952 leben wieder Wisente in Freihheit. Mittlerweile ist der Bestand sehr stark angewachsen. Ein freilaufendes Wisent zu finden ist trotzdem sehr schwierig. Wir haben wenigstens einen Wisentfladen entdeckt. Übrigens wird nicht mal den armen Wisenten der Grenzübertritt nach Weißrussland gewährt.
In Bialowieza gibt es einen Tierpark indem du Wisente bestaunen kannst. Ich bin kein Fan von Zoos und würde mir den Besuch wohl beim nächsten Mal sparen. Der Eintritt ist allerdings günstig (9 Zloty; 2,5€)

5. Orlowka

Hinter einem großen Holztor beginnt Orlowka, das streng geschützte Gebiet im schon geschützten Wald. In früheren Tagen war das Betreten nur Königen und deren Gästen zur Jagd erlaubt. Heute dürfen es Besucher nur mit einem Guide erkunden. In Orlowka ist Natur noch Natur. Stirbt ein Baum bleibt er liegen. Ist ein Baum krank, wird er seinem Schicksal überlassen. Hunderte Nachkömmlinge warten schon auf Ihre Chance auf Licht.
In Orlowka gibt es einige  Bäume zu bestaunen die mehrere 100 Jahre alt sind. Die Durchmesser der Stämme sind nicht zu fassen und Ihr Erscheinungsbild ist einfach nur umwerfend. Gleichzeitig ist es auch interessant, dass gerade viele Eichen nicht über 500 Jahre alt werden. Das liegt daran, dass durch den dichten Bewuchs die Bäume gezwungen sind extrem schnell nach oben zu wachsen. Damit sind Sie sehr kopflastig und fallen oftmals, im besten Eichenalter von 500 Jahren, um.
Der älteste Baum, stolze 900 Jahre, ist 1974 gestorben und liegt seitdem unverändert. Bei unserer Führerin könnte man meinen, sie spricht von einem Verwandten, als Sie uns seine Geschichte erzählt.
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Interessiert an Bialowieza? Das musst Du wissen:
 
Anreise:
Falls du nicht mit eigenem Fortbewegungsmittel kommst, führen alle Wege über Warschau. Von Warschau aus nimmst du einen Zug nach Hajnowka. Das Städtchen ist ca 20 km entfernt. Du musst 2 mal umsteigen. Von dort aus kannst Du einen Bus nehmen. Die Verbindungen kannst du bei der deutschen Bahn erfragen.
Unterkunft:
An Unterkünften mangelt es nicht. Kommst du zur Hauptzeit, solltest du dennoch im Voraus buchen. Wir haben unsere Zeit im Guesthouse „Planet Backpack“ verbracht und waren sehr zufrieden. Rose vermietet Zimmer mit Bad. Die Küche teilt man sich. Wir haben hier Tony kennengelernt und hatten eine tolle Zeit. Des Weiteren gibt es auch einige Campingplätze. Unsere Unterkunft kostete 50 Zloty pro Person (ca 12€).
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Orlowka:
Eine 3h Tour kostet 190 Zloty für eine Reisegruppe (max 20 Personen). Die Kosten werden unter den Teilnehmern aufgeteilt. Es lohnt sich also bei Ankunft eine Tour zu erfragen um möglichst sich mit anderen Interessierten zusammenzuschließen. Die Touren können vor Ort im Tourismus Büro gebucht werden. Es gibt polnische, englische und auch deutsche Touren. Für besonders interessierte kann die Tour gegen Aufpreis ausgeweitet werden.
Fortbewegung:
Die Gegend um Bialowieza schreit förmlich danach mit dem Fahrrad erkundet zu werden. Die Miete eines Fahrrades kostet ca 35 Zloty/Tag. (ca 9€). Fahrradverleihe in Bialowieza gibt es wie Wettstudios in deutschen Städten.
Reisezeit:
Wir waren im Frühling in Bialowieza. Der Wald erstrahlte im frischen grün und die Natur erwachte aus Ihrem Winterschlaf. Zusätzlich waren nahezu keine Touristen in der Stadt. Allerdings ist das Wetter im Frühling schwer zu kalkulieren. Die Hauptreisezeit ist im Sommer zwischen Juni und September.
Warst du schon in Bialowieza oder in einem anderen großen Waldgebiet?



  1. Brigitte Meyer

    Lieber Stefan und lieber Fou
    Ich möchte Euch ganz herzlich aus der Schweiz grüssen. Jürgen und ich waren zusammen mit Euch (und Maria-Guide) im Wald, genauer im Urwald von Bialowieza. Die reine klare Luft im Wald hat mich fast high gemacht – so etwas Schönes wie saubere Luft (nicht) zu sehen bzw. einzuatmen, war für mich (als Raucherin) umwerfend. Ebenso das satte Grün der lebenden Bäume und Büsche. Und die toten Bäume, die langsam aber unaufhaltsam zersetzt werden und sich dann einfach auflösen.
    Ich hoffe, die rabiate Pollenattacke, die einen von Euch – bitte entschuldigt, dass ich den Namen nicht mehr weiss – zurück ins Gästezimmer zwang, gut abgeklungen ist. Selber sind wir mit vielen schönen Erinnerungen, zu denen auch der Spaziergang mit Euch im Urwald gehört, aus Polen wieder in die Schweiz zurückgekehrt. Ich wünsche Euch eine weiterhin schöne reise und werde via Blog gern mitreisen. Herzliche Grüsse aus Basel von Jürgen und Brigitte


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