Osttimor – wo niemand hingeht

Copy of Copy of Sie haben eine Lücke im Lebenslauf.

Anscheinend kommen jährlich nur 1.500 Ausländer nach Osttimor, gar nur ein Drittel werden als Reisende kategorisiert.

Es hat seine Gründe, warum sich kaum jemand hierher verirrt: Osttimor blickt auf eine sehr blutige Vergangenheit zurück, ist erst seit kurzem sicher und das zweitärmste Land in Asien ( knapp vor Afghanistan).

Über 200.000 Menschen sind in den Konflikten mit den Indonesiern und im folgenden Bürgerkrieg gestorben. Bei einer Bevölkerung von knapp 1 Million kannst du dir die Tragweite selbst ausrechnen.

Ich bin kein Indiana Jones oder reise gerne in Länder mit Bürgerkriegsvergangenheit, aber für Überlandreisende liegt Osttimor seit einigen Jahren einfach auf der Route. Von Dili geht ein Containerschiff nach Australien und genau deswegen spült es mich hierher.

Ist Osttimor eine Reise wert?! Ohjaa mein lieber Freund!

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An der Grenze merkt man noch nichts von der Armut. Vor dem nagelneuem Gebäude steht ein nagelneues LKW-Röntgengerät.

Spätestens nach den ersten Kilometern wird es allerdings offensichtlich.

Als ich zum Mittagessen anhalte mach ich eine Beobachtung, die ich nicht einmal in den vielen Monaten in Indonesien gemacht habe: Jemand bückt sich und hebt eine Plastikflasche auf und wirft sie in den Müll. Arm aber würdevoll.

Ich mag Osttimor jetzt schon.

Dili – irgendwo zwischen Ashgabat und Astana

Mein Tagesziel ist Dili – Osttimors Hauptstadt. Die Reise  bleibt in Erinnerung: Über 200km windet sich die Straße (oder was davon übrig ist) entlang der Küste bis du irgendwann in Dili angespült wirst.

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Dili ist eine dieser Städte wie Astana oder Ashgabat – total surreal. Es passt wirklich nicht ins Bild. Während im Rest des Landes hauptsächlich Pferde und Esel die Arbeit verrichten reiht sich in Dili ein Toyota Dealer an den nächsten.

Wenige Kilometer vor Dili gibt es nur Reis und getrockneten Fisch – in Dili gibt es einen  Burgerking.

Über die vielen Jahre, in welchen die UNO in Osttimor stationiert war und vor allem von Dili aus agierte, hat sich eine Paralelgesellschaft gebildet und nirgends ist es deutlicher als vor dem Timorplaza.

Im Timorplaza vergnügen sich Geschäftsleute und die wenigen Locals, die durch die UN reich geworden sind. Draußen vor der Tür stehen die anderen und warten in schäbigen Taxis auf dich oder wollen dir eine Simkarte verkaufen.

1.000km in Osttimor

Relativ schnell verlasse ich Dili in Richtung Jaco Island. Bei dem Roadtrip habe ich übrigens holländische Unterstützung. Reisen in Osttimor ist ziemlich hart, besonders wenn man kein eigenes Fortbewegungsmittel hat. Saskia meinte, sie war schon kurz davor nach Indonesien zu reisen, weil sie sich auf einem vorherigen Trip so abgemüht hat und total frustriert war, weil der Bus nicht gekommen ist. 

Baucau

Auf dem Weg nach Baucau entdecken wir eine Pilgerstätte und noch viel cooler: auf den Felsen kann man campen, ob man es darf ist eine andere Sache.

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Unglücklicherweise bekommen wir gegen Mitternacht Besuch aus dem Dorf. Die beiden Aufseher finden es nicht besonders prickelnd, dass wir mitten in der heiligen Pilgerstätte der Maria campen und sie bei ihrer Nachtruhe stören.

Die beiden sind ziemlich determiniert, dass wir (sofort) gehen. Leider können wir uns auch kaum verständigen. Was irgendwann doch das Eis bricht ist unsere Herkunft: Deutschland und Holland? Das sind doch auch Christen!

Ach Religion… zumindest bekommen wir zwei Atheisten auf diese Weise doch noch unsere Nachtruhe im Schutze der heiligen Maria.

Com

Ein paar hundert Kilometer weiter über fantastische „Straßen“ gelangen wir nach Com.

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Leider regnet es immer wieder aber hier passiert das Unglaubliche. Kaum sehen wir uns suchend nach einem Unterschlupf um, winken uns auch schon die Locals heran. Teilweise wohnen sie echt in traurigen Umständen. Trotzdem werden Kaffee und Kekse aufgetischt, es wird gelächelt und geschlürft.

Unterkünfte in Osttimor sind richtig teuer. Und mindestens genauso leer. Niemand kommt hier her, niemand.

 Verhandlungsspielraum gibt es trotzdem keinen.

Also fahren wir weiter und finden schließlich eine bezahlbare Unterkunft – direkt am Meer.

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Der Standard ist gering, aber so nahe am Meer habe ich selten gewohnt.

Road to Jaco Island

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Man sagt, dass die letzten 8km in den Osten Timor Lestes richtig hart sind. Mit dem Scooter geht es nicht, mit dem Auto auch nicht, nur mit Allrad und ordentlicher Bodenfreiheit ist es möglich. Und natürlich mit ordentlichen Motorrädern.

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Am Strand gibt es 2 Bungalowanlagen, die eines gemeinsam haben: kein einziger Gast ist da. In Timor Leste bekommst du immer wieder das Gefühl der letzte Mensch auf dem Planeten zu sein.

Von dort aus nimmst du schließlich ein Fischerboot, welches dich auf die kleine unbewohnte Sandinsel Jaco bringt. Kristallklares Wasser, feiner Sand, keine Menschenseele – das Paradies ist gefunden!

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Wenn der Tourismus erstmal ankommt…

Auf der Rückfahrt nach Dili halten wir wieder in Baucau. Dieses Mal lassen wir aber die heilige Maria von Baucau in Ruhe und halten uns an die heilige Maria der Backpacker, den Lonely Planet. Dieser spricht von einem netten Gasthaus in unmittelbare Nähe zum Strand.

Der Autor berichtet, dass das Gasthaus so idyllisch gelegen ist, dass es trotz der Abgeschiedenheit, sicherlich bald zu den Hot Spots Osttimors zählen wird, sobald der Tourismus ankommt. Der Lonely Planet war von 2008 und als wir ankommen sitzen die Gasthausbetreiber auf der Veranda und warten noch immer auf den Tourismus – niemand ist da.

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Putzerei

Nach dem Roadtrip ist vor der Putzerei. Der australische Zoll erwartet ein blitzsauberes Motorrad. Kein Dreck, kein Schlamm, nichts! Das bedeutet: das Motorrad auseinandernehmen, tagelanges Schrubben und Saubermachen bevor Smethana ihren Weg in den Container finden kann und die nächsten 4 Wochen auf hoher See verbringt.

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  1. Chris

    Toller Artikel – genau auch wie dein Gastbeitrag bei Indojunkie über Timor.
    ich habe die Tage dort ebenfalls geliebt und es ist noch heute eines meiner spannendsten Reiseerlebnisse … :-)
    Jaco & Co. habe ich leider nicht besucht, dafür aber das Zentrum und den Süden bis hinunter nach Same und Betano. Da wären für eine Motorradtour auch reichlich tolle Straßen vorhanden. An die Strecke von der Grenze nach Dili erinnere ich mich auch noch sehr gut … einfach unbeschreiblich!


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