Sneak Preview: die ersten Buchkapitel

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Ich war motiviert, 23 Jahre alt und wollte etwas bewegen. Stattdessen kämpfte ich gegen Windmühlen: Ingenieure, die kurz vor der Rente standen, ihre Büro-Birkenstockschuhe unter dem Schreibtisch geparkt hatten und ihre Stunden peinlich genau abrissen. Wir waren so innovativ wie die katholische Kirche. Neues passierte nur, wenn es von “oben” kam (wie in der katholischen Kirche), es einen Projektplan gab und Mittel bereit gestellt wurden.

Während meines Studiums hatte das Arbeitsleben glorreich gewirkt: Endlich eigenes Geld verdienen und wichtige Arbeit verrichten. Endlich After-Work-Cocktails trinken. Endlich Anzug tragen. Endlich unabhängig und erwachsen sein.

Jeder, der jemals gearbeitet hat und nicht zufällig National-Geographic-Fotograf oder ein von Red Bull gesponserter Extremsportler ist, weiß, dass die Realität der Arbeitswelt anders aussieht.

Anzüge zwicken ganz schön und anstatt sie in schicken Bars zu tragen, trug ich sie meist im Stau. Stuttgart ist die Stauhauptstadt Deutschlands, in der Autofahrer durchschnittlich unglaubliche 73 Stunden im Jahr im Stau stehen. Zu den Hauptverkehrszeiten fließt der Verkehr in den Hauptschlagadern der Region wie das Blut in den Arterien von Fast-Food Junkies.

Wahrscheinlich musste ich mich einfach damit abfinden und an die weniger prickelnden Aspekte der Angestelltenwelt gewöhnen. Vielleicht war das einfach der Lauf der Dinge? Schließlich gingen meine Kollegen auch nicht fröhlich jauchzend zur Arbeit, trotzdem kamen sie jeden Tag.

Ein Beweis dafür waren die vielen kleinen Feiern, wenn langjährige Mitarbeiter ihre 20-, 30-, oder 40-jährige Firmenzugehörigkeit zelebrierten. Es gab Butterbrezeln und Sekt. Vorm Chef wurde erzählt, wie schön es doch sei, hier zu arbeiten – und sobald der Chef im nächsten Meeting war, wie sehr man sich auf die Rente freue.

Meistens war es nett mit ein wenig Alkohol im Blut zurück an den Schreibtisch zu gehen, doch Herr Lehmanns Jubiläum war anders.

Herr Lehmann wäre sicherlich mindestens 1,99m groß, wenn nicht die 30 Jahre in der Firma an seinen Schultern gezerrt hätten wie vier Säcke Zement. Irgendwie schaffte er es, jeden Morgen kurz vor mir durch das Firmentor zu schleichen und ich schlich ihm hinterher. Er quälte sich die Treppen hinauf, schlurfte den endlosen, schmalen, fensterlosen Gang entlang, bis er die gläserne Bürotür erreichte, mit letzter Energie schleppte er sich zu seinem Stuhl und sackte wortlos zusammen. Jeden Tag blickte er mit dem selben ausdruckslosen, halbtoten Blick auf seinen Bildschirm, wie ein Zoogorilla, der sich an die Wildnis nicht mehr erinnern kann.

An seinem Ehrentag erzählte uns Herr Lehmann, wie sehr sich die Firma doch verändert hatte, dass sie früher noch keine Computer gehabt hätten und dass es schön sei hier mit allen Brezeln zu essen. Nur um folgenden Satz hinterher zu schieben: “Ach, es ist doch verrückt, mir kommt es so vor, als hätte ich gestern erst hier angefangen”

Es waren drei Jahrzehnte vergangen!

Ich blickte in den Spiegel und sah Herr Lehmann. Wenn ich jetzt die Augen schließen würde und wieder öffnete,  wäre  ich dann 67 und verteilte Butterbrezeln?

Ich war schon auf dem besten Weg dazu.

Genau genommen befand ich mich in einer umgekehrten Schmetterlings-Metarmosphose:  Ich war erst Schüler, Student und dann Hochschulabsolvent gewesen, flatterte stets leicht und unbeschwert durch das Leben, bis ich in die Arbeitswelt eintrat. Das Firmengelände war mein Kokon, in dem ich mich nun eingesponnen hatte. Hier wurden mir jegliche Ambitionen, Träume und Wünsche ausgetrieben. Danach würde ich bereit sein zu schlüpfen: als neuer Herr Lehmann!

Ich spürte die Veränderung. Mittlerweile war ich zwar erst zwei Jahre angestellt, hatte aber schon meinen Antrieb verloren. Die meisten Dinge waren mir einfach egal. Morgens stempelte ich ein und zählte schon die Stunden bis ich wieder gehen durfte. Die Zeit verging rasend und nun konnte ich Herr Lehmann verstehen – drei Jahrzehnte können tatsächlich verfliegen.

Es musste sich etwas verändern.


Was musst du über das Buch wissen?

Begleitend zum Buch wird es auf dem Blog ein Media-Archiv geben. Dort kannst du vorbei schauen und dir die passenden Bilder und Videos zu den Buchkapiteln anschauen. Das ist (glaube ich) etwas, dass es noch nicht so oft gibt und ich bin mir sicher, dass es das Buch schön untermalen wird.

Das Buch sollte im Frühling im Briefkasten der Unterstützer landen.

Wenn dir gefallen hat, was du gelesen hast, würde ich mich sehr freuen, wenn du mir hilfst dieses Buch möglich zu machen. Es fehlt noch ein Drittel der Unterstützungssumme und nur, wenn sie erreicht wird, wird sie auch ausgezahlt. Alles oder nichts.

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  1. Oskar

    Hi Stefan!
    Netter Anfang……
    Puhhhh, ich bin von „Lehmanns“ umzingelt….
    Ein Arbeitskollege meines Vaters hieß auch „Lehmann“, war ziemlich fett, soff gerne…
    Ein wenig „Lehmann“ steckt in uns…. mehr oder weniger….
    Wann gibt es das eBook?
    Viel Spass noch bei der Verwirklichung… LG, Oskar

    • Stefan

      Hi Oskar,

      schön von dir zu lesen :)
      Ja, da muss man aufpassen, dass der Lehmann, der in uns allen steckt nicht zu sehr die Überhand gewinnt. Er macht meistens nur langweilige Sachen – die ganzen coolen, wie mit dem Motorrad durch die Gegend reisen – das macht er nicht.
      Umso besser: Mehr Platz für uns ;)

      Ich denke das Ebook kommt im April.

      Viele Grüße
      Stefan

  2. Oskar

    Hi Stefan!

    Danke für die Info…. noch schönen Jahresausklang und einen guten Rutsch ins 17er…..
    LG, Oskar

    PS: sag, ist dir auch momentan so kalt beim Biken? Heute -2,5 Grad… die Einkaufstour war sehr erfrischend…. ;-)

  3. Dietmar Heinen

    Hi Stefan,

    wie kommst du mit dem Buch voran, ich bin schon lange gespannt auf das Ergebnis, Frühjahr 2017 ist ja nun vorbei und ich habe noch nichts gehört.

    Nicht das das Projekt gescheitert ist?!?

    Liebe Grüße,
    Dietmar


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