Übernachten bei Fremden

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Malá Fatra, ein Begriff wie aus 1001 Nacht. Der Nationalpark im Norden der Slowakei soll es also sein, unsere erste Camping Stätte. Die Frage ist nur, Wildcampen oder einen Campingplatz aufsuchen? Beides hätte Vor- und Nachteile, zum Glück haben wir uns aber für letzteres entschieden, ansonsten wäre uns ein ganz besonderes Erlebnis verwehrt geblieben.

Wir fahren also ein, in den Campingplatz Camping – Nižné Kamence, da schallt uns auch schon laute Musik entgegen, Banner prangen über dem Weg und eine Bühne steht zur unserer Linken. Wo sind wir denn hier gelandet? Verbindet man doch Campen im Nationalpark mit Ruhe und Gelassenheit. Überall sehen wir das Logo der „Fat Bad Boys“, oh mein Gott, sind wir ohne es zu wollen auf dem Jahrestreffen der wohl berüchtigtsten Rockergang der Slowakei aufgetaucht, mit 2 BMW Maschinen und einer Yamaha?!

Puhhh, nochmal Glück gehabt, die bekannteste Motorradvereinigung der Slowakei ist auch auf BMW Motorrädern unterwegs! Wir werden herzlich begrüßt und im Laufe des Tages gefühlte 100 Mal zum „Gulashka“ Essen am Abend eingeladen. Obwohl wir schon satt sind und so gerne müde ins Zelt kriechen wollen machen wir uns also auf den Weg. Keiner könnte dem stämmigen Josef, dem Anführer der „Fat Bad Boys“ einen Wunsch abschlagen, keiner, nicht einmal Du!

josef

In der Höhle des Löwen sind wir, neben dem Videomitschnitt der letzten Ausfahrten der Gruppe, die Hauptattraktion. Zu unserem Erstaunen können viele der Jungs richtig gut deutsch sprechen. Zumindest „Prost“ bekommt jeder hin und das Bier, sowie der Schnaps fließt in Strömen.

Krakau du Schöne!

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Aus der Malá Fatra führt eine sagenhaft kurvige Straße in Richtung Polen. Kurz der bisher schönsten Zöllnerin winken, die sich wie eine Raubkatze in der Sonne räkelt und weiter geht’s. Natürlich ist Petrus auch nicht weit und 60 km vor dem Erreichen unseres Ziels zwingt er uns zu einer Rast. Bei der Sicht und den Straßenverhältnissen ist ans Weiterfahren nicht zu denken. Wir haben fast vergessen, wie gut eine warme Mahlzeit tut, danke Petrus.

In Krakau haben wir uns für eine komplett andere Übernachtungsmöglichkeit entschieden, als bisher: „Couchsurfing“! Marek bot uns an bei ihm unterzukommen, dieses großzügige Angebot lassen wir uns natürlich nicht entgehen, also stellen wir in seinem riesigen Wohnzimmer 3 Feldbetten auf, und man mag es kaum glauben, die Überbleibsel der Armee können richtig bequem sein.

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Marek betreibt in Krakau einen Pizzalieferdienst, ein Café und ein Fahrradgeschäft. Wir haben also außer einem Dach über dem Kopf, auch ein komplett eingerichtetes Café für uns alleine.

Die zentrale Lage ermöglicht uns in das Stadtzentrum zu laufen und ja, uns wurde nicht zu viel versprochen! Krakau ist wunderschön!!! Die Gebäude, die Plätze, die Kirchen, alles! Und das spannendste, unterhalb des Rynek Glówny, dem größten Marktplatz Europas, befindet sich eine weitere Stadt, das glaubst Du nicht?

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Schon im Jahre 1899 wurden erste archäologische Ausgraben unter dem Krakauer Marktplatz durchgeführt. Von 2005 bis 2010 wurde Stück für Stück der gesamte Marktplatz ausgehoben und als unterirdisches Museum umfunktioniert. Insgesamt wurden mehr als 11 Tausend verschiedene Objekte gefunden.

Außer den schönen Eindrücken bleibt jemand ganz besonderes im Gedächtnis, Dawid, er kam mit seiner BMW 1200 GS angefahren, als wir gerade einen sicheren Platz für unsere Motorräder am Straßenrand gesucht haben. Nachdem er seine Maschine sicher in der Tiefgarage untergebracht hatte kam er nochmals hoch und fragte uns, ob wir nicht lieber auch in der Tiefgarage parken möchten und unsere Bikes dort sicher unterstellen wollen. Natürlich wollten wir! Dawid hat selbst etliche Kilometer in den USA und in Europe mit seinem Motorrad heruntergerissen und weiß genau, wie wertvoll ein sicherer Platz für das eigene Hab und Gut ist. Damit wir kommen und gehen konnten, wie es uns beliebte hat er uns sogar seinen Zweitschlüssel für die Tiefgarage überlassen. Unübertroffen ist natürlich sein letztes Angebot bei unserer Abreise, mit dem Helm unterm Arm meinte er nur locker: „Wie wäre es mit einer kleinen Stadtführung auf dem Motorrad?“. Was soll man dazu noch sagen? – Danke Dawid!

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Warschau du Riesige!

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Bis wir endlich zu unserem nächsten Host, der wunderschönen Balbina, durchgedrungen sind, vergeht ca. 1 Stunde Herumirren im Großstadtdschungel Warschau. Angekommen in Praga, einem historischem Vorort von Warschau, kommen uns die ersten Zweifel, sind unsere Motorräder hier wirklich sicher?! Also gut, etwas Gottvertrauen und wir lassen die Maschinen am Straßenrand stehen. Natürlich nicht ohne zig Mal tagsüber und nachts durch das Fenster zu sehen.

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Obwohl es schon dämmert beschließen wir trotzdem noch in die Stadt zu fahren. Warschau by night, sehr verlockend. Nach einem kurzen illegalen Aufenthalt in der Straßenbahn erreichen wir die Innenstadt. Es scheint so, als wäre Balbina stadtbekannt, es vergehen keine 5 min, ohne dass sie auf der Straße gegrüßt wird. Mit Insiderwissen versehen und weiblichem Charme bewaffnet zerrt sie uns von einer Bar in die nächste und von einem Eck der Stadt ins andere. Vodka, Tatar, Vodka, Gzik, Vodka, Slezdz, Vodka, Bier, das sollen die Spezialitäten Warschaus sein, ohne die können wir hier einfach nicht weg meint sie.

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Als wir uns zu später Stunde irgendwann geschlagen geben müssen eilen wir in einem der illegalen Taxis nach Hause, natürlich kennt sie den Fahrer rein zufällig auch und natürlich werden wir von der Polizei angehalten, aber das ist wieder eine andere Geschichte.





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