Wie du den Reisevirus besiegst (und wie es nach dem Buch weiter geht)

Reisevirus

Vorab: Ich möchte mich für diesen hervorragenden Buchlaunch bedanken. Das Feedback war tierisch gut und hat mich echt sprachlos gemacht. Danke, Danke, Danke!

Was passiert überhaupt nach "Good Bye, Lehmann"?

Als ich noch jeden Tag in der Schreibwerkstatt malochen ging, da schien dieser Gedanke absurd. Das Buch war so vereinnehmend. Kein Platz für A​​​​nderes.

Na gut. Eine Idee hatte ich: Überraschung - ich wollte Reisen gehen. Marokko hatte ich mir vorgestellt. Dem deutschen grauen Winter entkommen. Sand statt Schneematsch. Wellen statt Stau. Ich war mir so sicher, ich habe es sogar in dem Epilog des Buchs geschrieben.

Und nun wo das Licht am des Ende des Tunnels erreicht ist - da habe Ich keine Lust!

Ich habe keine Lust reisen zu gehen. Liest sich leicht, aber das ist das erste Mal in meinem Leben.

Das Witzige: Noch nie war ich so gut aufgestellt. Smetana wartet in der Garage, ist noch immer in sehr guter Verfassung, letztes Jahr habe ich mich neben dem Buch selbstständig gemacht im Online Marketing, und kann nun prinzipiell reisen und arbeiten. Ha, welch Traum! Aber: Keine Lust. Kein Bock!

Woran liegt's?
Ich sag es dir:

Es liegt an "Good Bye, Lehmann", beziehungsweise an dem was ich mit dem Buch rüber bringen möchte.

Ich hole kurz aus, ja?

Ich wollte wissen, wie man ein gutes Leben führen kann - auch wenn man gerade nicht auf Reisen ist, denn bis dahin war Reisen DER Weg für mich happy zu sein. Allerdings ist Reisen zwar wirkungsvoll, aber nicht nachhaltig.

Während der Reise beziehungsweise eher am Ende habe ich dann zwei Dinge entdeckt, die mit dem Reisen konkurrieren können: Achtsamkeit & Neugier. Wegen den beiden ist das Buch entstanden (ok, und wegen Naomi)

Achtsamkeit
Zum Thema Achtsamkeit habe ich meine gesamte Liebe in einen Artikel bei Healthy Habits gesteckt. Nur so viel sei gesagt. Während dem Schreibprozess hatte ich eine Phase von 137 Tagen an denen ich meditiert hatte (dann kam ein Junggesellenabschied in Amsterdam). Es ist unglaublich was es mit einem anstellt. (Meditation, nicht der Junggesellenabschied)

Ich habe vieles versucht, um ein gutes Leben zu führen. Jobs, Geld, Liebe von Frauen, Reisen, ich habe alles gejagt. Aber Achtsamkeit, insbesondere durch Meditation ist der Hebel, der bei mir am besten funktioniert.

Ich schaue aus dem Fenster, alles ist grau, und es ist kalt. Genau das Wetter bei dem ich immer geflüchtet wäre, wenn ich es könnte und jetzt kann ich es und bleibe. Ich bleibe nicht nur, ich fühle mich sogar wohl. Rilke hat einst geschrieben, dass der Winter die Zeit ist um sich um den inneren Garten zu kümmern - ist das nicht ein schöner Gedanke?

Es ist leicht immer das Negative zu sehen und das was fehlt. Das habe ich meistens getan - es führt zu nichts. Das Schöne zu sehen erfordert zwar Training. Aber es belohnt mit viel angenehmeren Tagen, auch wenn es draußen nass und grau ist und man nicht auf Reisen ist.

Neugier

Ich bin der festen Überzeugung, dass Neugier der Weg ist um ein erfüllteres Leben zu führen. Neugier kann in allem stecken, sehr wohl im Reisen, aber auch im Handwerk, für's Basteln, musizieren, malen oder eben Schreiben. 

Meistens hatte ich keine Zeit für meine Neugier. Job, Freunde, Freundin, im Stau stehen, Einkaufen, Fernsehen - das alles erdrückte sie. 

Das änderte sich erst in Australien, als ich endlich Zeit hatte, dem Schreiben wirklich eine Chance zu geben. Und es hat mich gepackt.

"Good Bye, Lehmann" war das Projekt der Neugier im Jahr 2017 und ich bin so unendlich dankbar, dass Buch geschrieben zu haben. 

Das ist was Neugier leisten kann. Und jetzt wo dieses Riesenprojekt abgeschlossen ist, da hat die Neugier wieder angeklopft und ich habe ein paar Dinge vor. Eine Sache werden Vorträge sein. Ich wollte eigentlich nie Vorträge halten, ich wollte aber auch nie ein Buch schreiben. Aber jetzt kann ich Menschen mit nem Reisevortrag locken und dann etwas über Achtsamkeit und Neugier erzählen. HaHa!

Achtsamkeit + Neugier: warum das so gut funktioniert
Ich war meistens so eingespannt in Verpflichtungen, dass ich mir nichts sehnlicheres wünschte als die offene Straße und mein Motorrad. Was ich nicht erkannt habe war das dahinterliegende Motiv:

Der Wunsch nach Reisen war für mich nichts anderes der Wunsch meine Lebensumstände so radikal zu verändern wie es nur geht. Wie in einem Casper Song: Auf und Davon, ein Streichholz auf das alte Leben werfen und es brennen sehen.

Aber ich glaube Seth Godin Ratschlag ist sehr gut: "Anstatt dich zu fragen wohin der nächste Urlaub geht, solltest du dir ein Leben gestalten vor dem du nicht flüchten musst."

Achtsamkeit und Neugier geben dem Leben Tiefe und Bedeutung - Wenn man ihnen den Raum gibt. Davor will man nicht flüchten.

Reisen 2.0
Gegen das Reisen ist natürlich im Grunde nichts einzuwenden. Ich will in Zukunft nur meine Motivation überdenken: Reisen soll Salz sein - nicht mehr die Suppe. Darüber will ich in kürze hier auch mehr schreiben. 

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13 Kommentare

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  1. Harry Wolter

    Digger, zu „Achtsamkeit +“, das ist eine Facette deiner individuellen Sicht auf eine spezielle Situation. Es gibt kein schwaz/weiß, D(d)u kannst tausend Farben mischen bzw. es gibt tausende Farbvarianten!
    Ich reise supergern mit dem Motorrad und fahre auch einfach nur so supergerne Motorrad. Bei mir ist es schon ein Verlangen, aber keine Flucht :-)

    Dir angenehme Feiertage und ein schönes 2018!
    einundsiebziger

    PS: In Hamburg sagt man manchmal Digger, wenn man wem wohlgesonnen ist ;-)

    • Uli

      Exakt!
      Und eine Woche Moped in den Alpen lässt mein Herz weiter aufgehen als 2 Wochen Bali – ausprobiert!
      Und jetzt will ich (dank Dir) unbedingt mal ein paar Wochen Moped in Asien/Indonesien ausprobieren. Am besten wahrscheinlich dort ne kleine Ackerfräse mieten/kaufen. Muss mir nur noch irgendwie die Zeit klauen, dann kanns los gehen. Wer ist dabei? ;)

  2. Martin Mittermeier

    Servus Stefan,

    gratuliere zu deiner Erkenntnis, und vor allem zur Umsetztung.
    Bücher über die Quintessenz des Lebens gibt es genug, es mangelt lediglich an Leuten die das gelesene umsetzten.
    Wissen allein genügt nicht, man muss es auch tun.

    Deshalb wünsche ich dir jetzt:
    “ Ein Leben von dem du keinen Urlaub brauchst!“

    Liebe Grüße, Martin

  3. Christoph

    Wow Stefan, Hammer Artikel und ich find mich in vielem wieder, und es kam mir oft komisch vor, anderen zu erklären, dass ich nicht weggegangen bin, obwohl ich es könnte. Schön zu hören dass es dir genauso geht.
    Vielleicht schaffen wir das 2018 mit dem Telefonieren 😃
    LG aus Köln

  4. Daniel

    Hallo Stefan, toller Artikel…. Mich hat der „Reisevirus“ voll erwischt, aber mit Familie ist es nicht so leicht diesen auszuleben. Gerade die Wintermonate sind jedes Jahr eine schwere Zeit. Ich überbrücke diese mit Motorradservice, Youtube videos (natürlich über Motorräder) und das lesen guter Blogs/Websites …. Auf ein tolles 2018 #ridefahrwegen ;)

  5. Florian

    Sehr guter Beitrag! Ich für meinen Teil, kann mir noch nicht vorstellen, dass mich das Reisefieber loslässt – dazu liebe ich es einfach zu sehr. :) Aber was ich mir vorstellen kann, ist mal 2-3 Monate im Jahr an einem Ort und runterkommen, weil immer nur auf Tour zu sein, ist natürlich auch mit etwas „Stress“ verbunden. Deswegen reise ich auch relativ langsam und entspannt. Auf jeden Fall bleibt mein Herz hungrig danach, was es noch alles in der Welt zu sehen gibt. Bisher war ich ja nur in Deutschland unterwegs. LG

  6. Achim

    Hi Stefan!
    Tolles Buch, habe es gerade am Golf von Mexiko verschlungen. Die Wendung im letzten Drittel, als Du die Meditation entdeckt hast, hat mich super interessiert. Ich habe auch vor ein bis zwei Jahren mit dem meditieren begonnen. In mir gibt es auch, wie wohl in vielen, den Architekten und den Sorgenmeister. Du hast die beiden hoffentlich noch gut im Griff. Ich hoffe, du findest noch die richtige Frau. Grüße aus Mexiko! Achim


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